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Wie sich Einsamkeit anfühlt – das Gefühl, zu viel zu sein und deshalb still zu werden

Aktualisiert: 25. Feb.

Hallo ihr Lieben ❤️


Einsamkeit ist nicht immer laut. Manchmal sitzt sie ganz ruhig neben einem. Mitten unter Menschen.

Ich kenne das Gefühl, in einem Raum zu stehen und gleichzeitig innerlich komplett alleine zu sein. Nicht, weil niemand da ist. Sondern weil ich das Gefühl habe, nicht wirklich dazuzugehören.

Nicht wirklich gemeint zu sein. Nicht wirklich gesehen zu werden.

Alleinsein tut mir weh.

Nicht nur ein bisschen. Nicht nur an ruhigen Abenden. Sondern tief. Körperlich spürbar. Wie ein Druck auf der Brust, der nicht richtig weggeht.

Es gibt Tage, da sitze ich zuhause und merke, wie still alles ist. Kein Gespräch. Keine Nachricht. Kein Mensch, der einfach so an mich denkt. Und in dieser Stille wächst etwas in mir.

Das Gefühl, nicht wichtig zu sein. Nicht gebraucht zu werden.

Und manchmal geht es noch weiter.

Dann fühlt es sich an, als wäre mein Alleinsein kein Zufall, sondern eine Konsequenz.

Als hätte ich es verdient. Als wäre ich genau da gelandet, wo ich hingehöre.

Dann kommt Brunhilde, leise aber gnadenlos:

Wenn niemand da ist, muss es an dir liegen. Du bist nicht liebenswert genug. Nicht angenehm genug. Nicht gut genug.

Alleinsein fühlt sich für mich dann nicht nur einsam an. Es fühlt sich an wie ein Urteil über meinen Wert.

Und je länger es still ist, desto lauter wird dieses Urteil.

Manchmal fühle ich mich klein. Fast unsichtbar. Als würde ich am Rand stehen und zuschauen, wie andere selbstverständlich dazugehören, während ich nicht weiss, wie man das macht.

Und gleichzeitig schäme ich mich dafür, dass es mich so sehr trifft. Dass ich scheinbar nicht einfach stark und unabhängig sein kann. Dass ich Nähe brauche und sie nicht selbstverständlich habe.

Aber die Wahrheit ist: Es schmerzt. Es schmerzt tief.

Und darüber möchte ich schreiben.


Einsamkeit trotz Kontakt

Von aussen wirkt mein Leben nicht einsam. Ich habe einen Partner. Ich habe Bekannte und wenige Freunde. Ich habe manchmal Kontakt zu Menschen. Und trotzdem gibt es dieses tiefe, nagende Gefühl, emotional alleine zu sein.

Es ist weniger das Fehlen von Menschen. Es ist das Fehlen von echter innerer Verbundenheit.

Ich habe oft das Gefühl, dass sich niemand wirklich für mein Inneres interessiert. Für das, was unter der Oberfläche liegt. Für meine Unsicherheiten, meine Ängste, meine Gedanken.

Und gleichzeitig frage ich mich ehrlich: Lasse ich das überhaupt zu?


Allein sein ist mein Alltag geworden

Seit ich nicht mehr arbeite, bin ich die meiste Zeit zuhause. Allein. Soziale Kontakte sind rar geworden. Tage vergehen, ohne dass ich wirklich mit jemandem spreche.

Es gibt Phasen, in denen ich fast nur mit meinem Partner rede. Und selbst da nicht immer über das, was wirklich in mir vorgeht.

Diese dauerhafte Isolation verändert etwas. Sie macht unsicher. Sie verstärkt das Gefühl, abgekoppelt zu sein.

Je weniger Kontakt ich habe, desto fremder fühle ich mich in sozialen Situationen. Und desto grösser wird die Hürde, überhaupt wieder auf Menschen zuzugehen.


Unsicher sein im Umgang mit Menschen

Ich wäre gern souveräner. Lockerer. Schlagfertiger.

Eine von denen, die selbstverständlich dazugehören.

Stattdessen bin ich oft angespannt. Beobachtend. Bewertend, aber vor allem mich selbst.

Wenn ich mich mit jemandem treffe, ist das für mich kein lockeres Zusammensein. Es fühlt sich an wie eine Prüfung.

Wie wirke ich?

Rede ich zu viel?

Rede ich zu wenig?

Bin ich peinlich?

Bin ich anstrengend?

Bin ich interessant genug?

Bin ich sympathisch?

Wirke ich stabil?

Wird man mich danach noch mögen?

In sozialen Situationen läuft in meinem Kopf ein permanenter Bewertungsprozess. Jede Pause. Jeder Blick. Jedes Verhalten. Alles wird bewertet. Und meistens komme ich nicht gut dabei weg.

Ich denke oft, andere finden mich komisch.

Und wenn ich später sehe, dass andere sich selbstverständlich mit Freunden treffen, denke ich schnell: Mit mir will man sich wohl einfach nicht so gerne treffen.

Dann kommt dieser Gedanke: Wahrscheinlich liegt es an mir.

Ich bin zu viel.

Zu emotional.

Zu nervös.

Zu kompliziert.

Zu anstrengend.

Zu laut.

Und dieses innerliche Urteil sitzt tief. Also werde ich leiser. Verhalte mich ruhig.


Bedürfnisse haben, aber sie nicht zeigen

Ich habe Bedürfnisse. Nach Nähe. Nach Rückversicherung. Nach ehrlichem Austausch.

Aber ich äussere sie oft nicht.

Weil ich denke, ich darf nicht auffallen. Darf nicht belastend sein. Darf nicht unbequem sein.

Das betrifft nicht nur meine Partnerschaft, sondern generell zwischenmenschliche Beziehungen.

Ich versuche, stabil zu wirken. Kontrolliert. Funktionierend. Ich widerspreche selten. Ich sage oft nicht, was ich wirklich denke. Ich nehme mich zurück.

Zu oft ist es schief gegangen, wenn ich mich geöffnet habe. Zu oft habe ich mich verletzlich gezeigt und wurde verletzt.

Also habe ich gelernt, leiser zu werden.

Früher habe ich offener gesagt, wie es mir geht. Ich habe erzählt, wenn ich überfordert war, traurig, unsicher.

Aber ich habe oft erlebt, dass Menschen damit nicht umgehen konnten. Dass ich als zu viel empfunden wurde. Zu emotional. Zu kompliziert. Zu belastend.

Also habe ich gelernt, zu dosieren. Zu filtern. Zu relativieren.

Heute sage ich oft: „Es ist alles okay. Ich bin stabil.“

Auch dann, wenn es innen anders aussieht.

Nicht, weil ich lügen will. Sondern weil ich Angst habe, wieder zu viel zu sein.


Wenn andere sich treffen

Wenn ich sehe, wie andere selbstverständlich eingeladen werden, wie Gruppen sich austauschen, lachen, sich sehen, dann trifft mich das.

Ich werde selten aktiv gefragt. Selten eingeladen.

Und mein Inneres macht sofort die Rechnung auf:

Du bist kein Mensch, an den man denkt.

Du bist nicht wichtig.

Du bist nicht gewollt.

Du bist nicht Teil davon.

Ob das objektiv stimmt oder nicht, spielt in diesem Moment kaum eine Rolle. Das Gefühl ist real.

Und es fühlt sich an wie ein stiller Beweis, dass ich nicht richtig passe. Und es tut weh.


Eine junge Frau sitzt abseits auf einer Bank im Park, während im Hintergrund eine Gruppe lachend zusammensitzt, sie wirkt still, ausgeschlossen und in Gedanken versunken.


Zu viel fühlen, zu viel brauchen, zu viel sein

Dieses „zu viel“ begleitet mich schon lange.

Zu sensibel.

Zu bedürftig.

Zu intensiv.

Zu emotional.

Und irgendwann beginnt man, sich selbst kleiner zu machen.

Man nimmt sich zurück.

Man wartet, bis man gefragt wird.

Man teilt weniger.

Man wird still.

Das Problem ist nur: Je stiller ich werde, desto weniger werden meine Bedürfnisse sichtbar. Und je weniger sie sichtbar sind, desto einsamer fühle ich mich.

Ein perfider Kreislauf.


Alte Erfahrungen, die das „Zu viel“ geprägt haben

Das Gefühl, zu viel zu sein, ist bei mir nicht einfach entstanden. Es hat Geschichte.

Als ich geweint habe, wurde ich oft angeschnautzt. Mir wurde gesagt, ich mache zu viel Drama. Ich sei hysterisch. Zu sensibel.

Wenn ich etwas fragen wollte, hiess es häufig: Nicht jetzt. Ich rede gerade. Ich habe keine Zeit.

Wenn ich emotional war, musste ich auf mein Zimmer.

Meine Gefühle hatten keinen sicheren Ort. Sie waren störend. Unpassend. Unerwünscht.

Ich war zu viel, wenn ich euphorisch war.

Zu anstrengend, wenn ich aktiv war.

Zu schwierig, wenn ich widersprochen habe.

Manchmal bekam ich eine Ohrfeige, wenn ich etwas gesagt habe, das nicht gepasst hat.

Ich war angeblich selbst schuld an vielem. An meiner Migräne. An meinem Übergewicht. An körperlichen Problemen. An meiner Essstörung.

Auch mein Aussehen wurde häufig kommentiert. Wie ich mich kleide. Wie mein Körper aussieht. Mein Gewicht. Es gab oft etwas zu kritisieren. Etwas, das nicht stimmte, nicht passte, nicht genügte.

Leistung war ebenfalls selten ausreichend. Egal wie sehr ich mich bemühte, es blieb das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Dieses ständige Bewertetwerden hinterlässt tiefe Spuren.

Es verankert die Überzeugung: Ich genüge nicht.

In meinem Umfeld gab es wenig Schutz. Wenig emotionale Sicherheit. Nähe war oft distanziert oder unzuverlässig. Vieles wurde nicht gesehen. Vieles nicht aufgefangen.

Ich habe früh gelernt, dass ich mit vielem alleine bin.

Im Drogenentzug wurde ich ohne Mitsprache vor die Tatsache gestellt, dass ich nicht mehr nach Hause darf, sondern in ein Jugendheim soll.

Keine Wahl.

Keine Kontrolle.

Keine Sicherheit.

Dazu kamen Situationen sexueller Grenzverletzung. Erfahrungen, die bis heute schwer einzuordnen sind.

Wenn ein Kind immer wieder erlebt, dass seine Gefühle zu gross sind, seine Meinung nicht zählt, sein Körper bewertet wird, seine Leistung nie reicht und seine Grenzen nicht geschützt werden, dann lernt es etwas sehr Grundlegendes:

Ich bin falsch.

Ich bin zu viel.

Ich bin nicht genug.

Stillwerden ist dann kein Charakterzug. Es ist ein Überlebensmechanismus.


Wie das mit BPS und kPTBS zusammenhängt

Mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung ist Beziehung nie neutral.

Das Bedürfnis nach Nähe ist intensiv. Die Angst vor Ablehnung ebenso.

Schon kleine Signale können sich wie Zurückweisung anfühlen. Eine nicht beantwortete Nachricht. Eine Absage. Ein veränderter Tonfall.

Das Nervensystem reagiert schnell. Stark. Manchmal überproportional.

Wenn diese Sensibilität auf eine Geschichte trifft, in der Gefühle beschämt, Bedürfnisse ignoriert und Grenzen verletzt wurden, entsteht ein tiefes inneres Muster:

Nähe ist unsicher.

Gefühle sind gefährlich.

Ehrlichkeit kostet Beziehung.

Komplexe Traumafolgen verstärken das noch. Das Nervensystem bleibt im Alarmmodus. Man scannt ständig: Bin ich noch okay?

Wirke ich stabil?

Bin ich tragbar genug?

Und aus diesem Dauer-Scannen entsteht soziale Erschöpfung, Unsicherheit und Rückzug.

Nicht, weil ich kein Interesse an Menschen habe. Sondern weil Beziehung früher weh getan hat.


Einsamkeit ist nicht immer Isolation

Einsamkeit bedeutet nicht zwingend, allein zu sein.

Man kann neben jemandem sitzen und sich trotzdem innerlich verlassen fühlen.

Einsamkeit entsteht oft dort, wo man glaubt, nur in angepasster Version akzeptiert zu werden.

Wo man gelernt hat, dass Echtheit Risiko bedeutet.

Und genau das macht sie so schwer greifbar.


Unter all dem liegt eigentlich etwas ganz Einfaches und sehr Menschliches:

Die Angst, nicht dazuzugehören.

Nicht gewollt zu sein.

Nicht wichtig zu sein.

Und diese Angst macht unsicher. Sie macht vorsichtig. Sie macht leise.

Ich frage mich manchmal, wie ich wäre, wenn ich keine Angst hätte, zu viel zu sein.

Wie ich sprechen würde.

Wie ich lachen würde.

Wie ehrlich ich über mein Inneres sprechen würde.

Wie viel Raum ich mir nehmen würde.

Vielleicht wäre ich gar nicht zu viel.

Vielleicht wäre ich einfach nur ich.


Noch fällt es mir schwer zu verstehen, dass mein Stillwerden kein Beweis dafür ist, dass ich unwichtig bin, sondern ein Schutz, der einmal notwendig war.

Und vielleicht darf ich irgendwann lernen, dass ich nicht weniger sein muss, um dazuzugehören.


Warum ich das schreibe

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen.

Nicht, um Aufmerksamkeit zu erzwingen.

Nicht, um irgendjemanden verantwortlich zu machen.

Ich schreibe das, weil Einsamkeit oft unsichtbar bleibt. Weil sie sich schämt. Weil man lernt, sie zu verstecken und so zu tun, als sei alles in Ordnung.

Und weil ich weiss, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin, auch wenn es sich genau so anfühlt.

Vielleicht erkennt sich jemand in diesen Zeilen wieder.

Vielleicht fühlt sich jemand weniger falsch.

Vielleicht weniger zu viel.

Und vielleicht ist das schon genug.


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen Einblick geben, wie sich Einsamsein anfühlen kann, wenn es nicht nur mit Alleinsein zu tun hat, sondern mit alten Prägungen, Unsicherheit und dem tiefen Wunsch, endlich nicht mehr zu viel zu sein.


Ich wünsche euch einen schönen Tag und passt auf euch auf. ❤️

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