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Wie ich erkenne, welcher Skill gerade passt

Aktualisiert: 28. Jan.

Hallo ihr Lieben


Viele von uns kennen Skills, haben Listen, Karten oder ganze Sammlungen. Und trotzdem bleibt oft die gleiche Frage: Welcher Skill passt jetzt gerade?

Lange dachte ich, es gäbe dafür klare Antworten. Hohe Anspannung braucht dies, niedrige Anspannung braucht das. Mit der Zeit habe ich gemerkt: So einfach ist es nicht. Denn nicht jeder Mensch erreicht sich in jedem Zustand über den gleichen Weg.

Entscheidend ist nicht nur, wie hoch meine Anspannung ist, sondern auch, über welchen Zugangskanal ich mich in diesem Zustand überhaupt erreichen kann.


Zwei Dinge sind entscheidend, nicht nur eines

Um den passenden Skill zu finden, braucht es zwei Ebenen:

  1. Wie hoch ist meine Anspannung gerade?

  2. Über welchen Zugangskanal bin ich in diesem Zustand erreichbar?


Erst die Kombination daraus macht einen Skill passend oder eben nicht.


Die drei Anspannungszustände

Ganz vereinfacht lassen sich drei Zustände unterscheiden:


  • Niedrige Anspannung

    Ich bin relativ ruhig, aber vielleicht instabil, leicht erschöpft oder innerlich unsicher.


  • Mittlere Anspannung

    Ich bin deutlich unter Stress, schneller getriggert, emotional aktiv, aber noch ansprechbar.


  • Hohe Anspannung

    Mein System ist im Alarm, mit starker Wut, Panik, Überforderung, Impulsen oder Kontrollverlust.


Diese Einordnung muss nicht perfekt sein. Sie dient nur als grobe Orientierung.


Die vier Zugangskanäle für Skills

Skills wirken nicht alle gleich, weil sie über unterschiedliche Wege ansetzen. Man kann sie grob in vier Zugangskanäle einteilen:


  • Sinnesbezogene Skills

    Sie wirken über Wahrnehmung.

    👉 Sehen, hören, riechen, schmecken, spüren. Zum Beispiel Kälte, Düfte, Musik, Farben, Texturen.


  • Gedankenbezogene Skills

    Sie wirken über kognitive Aktivierung.

    👉 Zum Beispiel Rätsel, zählen, strukturierte Denkaufgaben, Fokus auf Inhalte.


  • Handlungsbezogene Skills

    Sie wirken über Bewegung und Aktivität.

    👉 Zum Beispiel spazieren, Sport, aufräumen, körperliche Aktivität.


  • Körperbezogene Skills

    Sie wirken direkt über den Körper.

    👉 Zum Beispiel Atmung, Muskelanspannung, Körperhaltung, Druck oder Halt.


Keiner dieser Kanäle ist besser als der andere. Entscheidend ist, welcher in welchem Zustand bei mir funktioniert.


Warum nicht jeder Zugangskanal immer wirkt

Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Ein Zugangskanal, der bei niedriger Anspannung gut funktioniert, kann bei hoher Anspannung komplett wirkungslos sein oder sogar zusätzlich stressen.


Zum Beispiel:

  • Gedankenbezogene Skills können bei hoher Anspannung unmöglich sein, weil der Kopf nicht mehr zugänglich ist.

  • Sinnesreize können bei mittlerer Anspannung helfen, bei hoher Anspannung aber überfluten.

  • Körperbezogene Skills können bei manchen Menschen beruhigen, bei anderen erst ab einem bestimmten Spannungsniveau wirken.


Das ist kein Versagen, sondern individuelle Neurobiologie.


Der eigentliche Schlüssel: Selbstbeobachtung statt richtige Lösung

Der wichtigste Schritt ist nicht, den perfekten Skill zu finden, sondern für sich selbst zu beobachten:

  • Bei niedriger Anspannung erreiche ich mich eher über …

  • Bei mittlerer Anspannung funktioniert bei mir eher …

  • Bei hoher Anspannung brauche ich unbedingt …


Diese Beobachtung passiert nicht theoretisch, sondern über Erfahrung. Auch Frühwarnzeichen spielen hier eine grosse Rolle, weil sie anzeigen, wann sich ein Wechsel des Zugangskanals ankündigt. Auf das Thema Frühwarnzeichen habe ich bereits in einem eigenen Beitrag genauer hingewiesen.

Mit der Zeit entsteht so eine sehr persönliche Landkarte.


Ein Skill wirkt nicht deshalb nicht, weil er falsch ist

Wenn ein Skill nicht wirkt, heisst das nicht:

  • dass man ihn falsch gemacht hat

  • dass Skills bei einem nicht funktionieren

  • dass man es „nicht kann“


Oft heisst es einfach: Der Zugangskanal passte in diesem Zustand nicht zu einem.

Diese Information ist wertvoll. Sie hilft beim nächsten Mal früher und passender zu reagieren.


Eine einfache Orientierung für den Alltag

Wenn man gerade unsicher ist, kann man sich zwei Fragen stellen:

  1. Wie hoch ist meine Anspannung gerade?

  2. Welcher Zugangskanal fühlt sich in diesem Zustand überhaupt erreichbar an?

Manchmal reicht das schon, um die Auswahl einzugrenzen.


Eine Person sitzt ruhig auf einem Sofa, der Blick nach innen gerichtet. Dezente, halbtransparente Fragezeichen über dem Kopf symbolisieren nachdenkliches Innehalten in einer stillen, neutralen Umgebung.

Zum Schluss

Skills sind keine starren Regeln. Sie sind Werkzeuge, die sich dem eigenen System anpassen müssen, nicht umgekehrt.

Je besser man seine Anspannung und seine persönlichen Zugangskanäle kennt, desto weniger fühlt sich Skillarbeit wie Raten an und desto mehr wie Selbstverständnis.


Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Beitrag einen klareren Einblick geben, wie man erkennt, welcher Skill gerade passt, und Euch dabei helfen, Euren eigenen Weg im Umgang mit Skills besser zu verstehen.


Passt auf Euch auf und habt einen schönen Tag. ❤️

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