Was macht einen Skill wirksam?
- Stefanie Garmatter
- 13. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Hallo ihr Lieben ❤️
Ich sage es ganz ehrlich, ich habe lange gedacht, Skills seien so eine Art Zaubertrick. Man macht einen Skill und zack, alles ist wieder gut. Spoiler, so funktioniert das leider nicht. Und genau das hat mich am Anfang extrem frustriert.
Heute weiss ich, dass ein Skill kein Wundermittel ist. Aber er kann unglaublich hilfreich sein, wenn ein paar Dinge zusammenspielen. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag erklären, was aus meiner Sicht einen Skill wirksam macht.
1. Timing ist alles, wirklich alles
Einer der grössten Fehler, den ich selbst gemacht habe, war, Skills erst dann zu nutzen, wenn innerlich schon alles brennt. Wenn ich gedanklich schon im freien Fall bin, kann auch der beste Skill kaum noch etwas ausrichten.
Ein Skill wirkt am besten, wenn er früh genug eingesetzt wird. Nicht erst dann, wenn die Anspannung schon explodiert ist, sondern dann, sobald die ersten Frühwarnzeichen auftauchen.
Das kann sein:
Innere Unruhe
Gereiztheit
Gedankenkreisen
Körperliche Signale wie Druck, Hitze oder Enge
Je früher ein Skill kommt, desto weniger „Kraft“ muss er aufbringen. Viele Skills sind keine Notbremse bei 100 Prozent Eskalation, sondern eher ein Lenkrad, um rechtzeitig gegenzusteuern.
Ich merke inzwischen viel früher, wenn ein Tag kippt. Und genau da setze ich an. Ein Skill wirkt nicht erst bei der Explosion, sondern davor. Für mich war das ein echter Aha-Moment.
2. Nicht jeder Skill passt immer
Nicht jeder Skill passt zu jedem Zustand.
Ein ruhiger Skill funktioniert selten, wenn die Anspannung extrem hoch ist. Umgekehrt kann ein sehr aktivierender Skill bei niedriger Anspannung eher überfordern.
Ich habe lange versucht, mich mit ruhigen Skills runterzubringen, obwohl mein Körper komplett unter Strom stand. Das hat sich angefühlt, als würde ich versuchen, mit einem Wattebausch ein Feuer zu löschen und hat die Situation oft eher verschlimmert als verbessert.
Hohe Anspannung braucht bei mir oft starke Reize. Erst wenn die Anspannung etwas sinkt, funktionieren ruhigere Skills. Seit ich angefangen habe, den Skill an meinen Zustand anzupassen und nicht umgekehrt, fühlt sich das Ganze viel stimmiger an und ist viel effektiver.
Denn ein Skill ist wirksam, wenn er zur Intensität passt:
hohe Anspannung braucht oft starke, körperliche Reize
mittlere Anspannung profitiert von Ablenkung oder Bewegung
niedrige Anspannung lässt Raum für achtsame oder beruhigende Skills
Wenn ein Skill nicht wirkt, heisst das nicht, dass er „schlecht“ ist. Oft passt er einfach nicht zur aktuellen Lage, dann darf ein anderer Skill ausprobiert werden, der besser zur Anspannung passt.
3. Skills sind kein Einzelkampf
Ein Skill allein reicht oft nicht. Und das ist kein Versagen. Ganz im Gegenteil, hier kommen die Skillsketten ins Spiel.
Eine Skillskette bedeutet, mehrere Skills bewusst hintereinander einzusetzen. Zum Beispiel erst ein starker körperlicher Skill, dann Bewegung und danach etwas Beruhigendes. Ich merke immer wieder, dass genau diese Kombination den Unterschied macht.
Ein Skill öffnet die Tür, die nächsten helfen mir hindurchzugehen.
Zu den Skillsketten werde ich noch einen eigenen Beitrag schreiben und diese genauer erklären.
4. Echtes Einlassen statt Abarbeiten
Viele von uns wenden Skills innerlich mit Widerstand an. So nach dem Motto: „Na gut, ich mach das jetzt halt, aber bringen wird es eh nichts.“ Das ist menschlich, aber es nimmt dem Skill viel Wirkung.
Ich kenne diesen inneren Widerstand nur zu gut. Dieses „Ich mach das jetzt, aber es bringt eh nichts“. Und ja, manchmal stimmt das sogar. Aber oft sabotiert genau diese Haltung die Wirkung.
Wirksam wird ein Skill eher dann, wenn wir ihm zumindest eine kleine Chance geben. Nicht mit Zwang, sondern mit einer offenen Haltung.
Wenn ich mir selbst sage, dass ich mir gerade helfe und nicht funktionieren muss, fühlt sich der Skill ganz anders an. Nicht wie eine Pflichtübung, sondern wie eine kleine Erleichterung.
Es geht nicht um Perfektion, sondern um Präsenz.
5. Übung statt Perfektion
Ich habe Skills am Anfang gehasst. Ehrlich. Sie fühlten sich künstlich an, peinlich oder einfach sinnlos.
Skills sind wie Muskeln. Beim ersten Mal fühlen sie sich fremd, unangenehm oder nutzlos an. Erst durch Wiederholung entsteht Sicherheit.
Ein Skill wird wirksamer, wenn:
er regelmässig geübt wird
er auch an ruhigeren Tagen ausprobiert wird
er nicht nur in der Krise zum Einsatz kommt
Je vertrauter ein Skill ist, desto schneller kann er im Ernstfall greifen.
6. Akzeptanz statt Erwartung
Ein häufiger Stolperstein ist die Erwartung: „Der Skill muss jetzt alles sofort besser machen.“
Aber ein wirksamer Skill bedeutet nicht immer:
sofortige Erleichterung
vollständige Beruhigung
gute Gefühle
Manchmal bedeutet Wirksamkeit einfach:
die Eskalation stoppt
es wird nicht schlimmer
ich halte es etwas besser aus
Wirksam heisst auch nicht, dass es sich gut anfühlt.
Das ist ein Punkt, den ich selbst lernen musste. Ein Skill hat gewirkt, auch wenn ich mich danach nicht gut gefühlt habe. Wenn die Situation nicht eskaliert ist, wenn ich mich nicht selbst verletzt habe, wenn ich geblieben und nicht weggelaufen bin, dann war der Skill wirksam.
Manchmal ist das der Erfolg. Still, unscheinbar, aber enorm wertvoll.

7. Selbstmitgefühl als Verstärker
Ein Skill wirkt besser, wenn er nicht aus Selbsthass heraus genutzt wird. Nicht als Strafe, sondern als Unterstützung.
Sätze wie:
„Ich darf mir jetzt helfen“
„Es ist okay, dass ich Unterstützung brauche“
können die Wirkung enorm verstärken.
Der innere Ton macht oft mehr aus als der Skill selbst.
Fazit
Ein Skill wirkt, wenn er zum Moment passt, früh genug kommt und oft genug geübt wurde. Manchmal ist ein Skill schon dann wirksam, wenn er verhindert, dass alles noch schlimmer wird. Und ganz oft wirkt nicht ein einzelner Skill, sondern eine Kette aus mehreren kleinen Schritten.
Wenn Ihr das nächste Mal denkt, ein Skill hätte „nichts gebracht“, dann fragt Euch nicht sofort, was mit Euch falsch ist. Fragt lieber: War der Zeitpunkt richtig? Passte der Skill zur Anspannung? War meine Erwartung realistisch?
Wenn ein Skill mal nicht funktioniert, sagt das nichts über Euch aus. Es sagt nur, dass Euer Nervensystem gerade etwas anderes gebraucht hätte. Und das herauszufinden ist Teil des Lernprozesses.
Ich hoffe, ich konnte Euch einen persönlichen Einblick geben, was einen Skill wirksam macht, Euch ein bisschen Druck rausnehmen und Euch Mut machen, Skills nicht vorschnell abzuschreiben. Skills sind kein Beweis dafür, wie „gut“ Ihr etwas macht. Sie sind ein Angebot an Euch selbst. Ihr macht das nicht falsch, ihr lernt gerade, was für Euch funktioniert.
Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag und passt auf Euch auf. ❤️




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