top of page
close-up-of-a-hand-written-message-on-a-popsicle-s-2025-10-28-21-12-38-utc.jpg

Psychische Belastung durch Schulden - Wenn Schulden mehr sind als nur Zahlen

21. Aug.
19 Min. Lesezeit

Diesen Beitrag habe ich schon vor über einem Monat begonnen, aber wegen unserem Umzug erst jetzt geschafft zu veröffentlichen.

Hallo Ihr Lieben ❤️


Wenn Menschen über Schulden sprechen, dann sprechen sie oft über Zahlen.

Über offene Rechnungen. Über Betreibungen. Über Mahnungen. Über Menschen, die „nicht mit Geld umgehen können“ . Über Menschen, die „über ihre Verhältnisse gelebt haben“ . Und manchmal auch über Menschen, die „selbst schuld sind“ . Was dabei oft vergessen wird: Hinter Schulden steckt fast immer eine Geschichte. Eine Geschichte, die niemand sieht. Eine Geschichte voller Ängste, schlafloser Nächte, Scham und Schuldgefühle. Und voller Druck, der einen jeden einzelnen Tag begleitet.

Ich weiss das, weil ich selbst mitten darin stecke. Ich hatte bis Ende 2021 nie Schulden. Kein einziger Eintrag im Betreibungsregister. Ich konnte meine Rechnungen bezahlen, hatte mein Leben finanziell im Griff und hätte niemals gedacht, dass ich selbst einmal an diesem Punkt stehen würde.

Heute sieht mein Leben völlig anders aus. Nicht, weil ich eines Tages beschlossen hätte, mein Geld aus dem Fenster zu werfen. Nicht, weil ich Luxus über alles gestellt hätte. Nicht, weil ich dachte, Regeln würden für mich nicht gelten. Sondern weil das Leben manchmal eine Richtung einschlägt, die man selbst nie geplant hat.

Und genau darüber möchte ich heute sprechen. Nicht über Geld. Sondern darüber, was Schulden mit einem Menschen machen können und wie es dazu kommen kann.


Niemand möchte Schulden haben

Ich glaube, kaum jemand wacht morgens auf und denkt sich: „Heute bringe ich mein Leben finanziell komplett aus dem Gleichgewicht.“  Trotzdem wird genau das oft suggeriert. Sobald bekannt wird, dass jemand Schulden hat, entstehen in vielen Köpfen sofort Bilder. Der Mensch muss verschwenderisch sein. Er muss ständig Dinge kaufen, die er sich nicht leisten kann. Er hat wahrscheinlich einfach nie gelernt, mit Geld umzugehen. Oder der Satz, den vermutlich viele Menschen mit Schulden schon einmal gehört haben:

„Selbst schuld.“  Vielleicht wird dieser Satz nicht einmal ausgesprochen. Manchmal reicht schon ein Blick. Oder ein Gespräch, in dem andere über Menschen mit Schulden urteilen, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.

Ich merke immer wieder, wie selbstverständlich viele Menschen davon ausgehen, dass Schulden automatisch etwas über den Charakter eines Menschen aussagen. Dabei sagen sie oft viel mehr über das aus, was dieser Mensch erlebt hat.


Hinter Schulden steckt oft ein Schicksalsschlag

Natürlich gibt es Menschen, die sich finanziell übernehmen. Aber genauso gibt es unzählige Menschen, die durch Ereignisse in eine Situation geraten, die sie nie geplant haben.

Eine Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Trennung, ein Unfall, eine psychische Erkrankung, eine längere Arbeitsunfähigkeit oder eine Kombination aus mehreren Dingen. Manchmal reicht schon ein einziges Ereignis aus, damit plötzlich nichts mehr so funktioniert wie vorher. Und genau das wird von aussen oft nicht gesehen. Denn Schulden entstehen häufig nicht in einem einzigen Moment. Sie wachsen langsam, fast unbemerkt.

Eine Rechnung wird verschoben, dann kommt eine Mahnung und dann noch eine. Vielleicht denkt man noch „Nächsten Monat schaffe ich es wieder.“  Doch irgendwann reicht der nächste Monat auch nicht mehr. Und plötzlich steckt man in einer Situation, aus der man alleine kaum noch herauskommt.


So hat meine Geschichte begonnen

Auch ich hätte mir niemals vorstellen können, einmal Schulden zu haben. Ich kam viele Jahre gut mit meinem Geld zurecht. Damals arbeitete ich noch bei meinem Papa. Für mich war das nicht einfach irgendein Arbeitsplatz. Es war ein Umfeld, in dem ich mich sicher fühlte. Meine psychischen Schwierigkeiten waren zwar schon damals da, aber sie waren deutlich besser auszuhalten, weil ich mich nicht jeden Tag in einem Umfeld behaupten musste, das mich ständig überforderte. Als mein Papa mich aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weiter beschäftigen konnte, begann ich mir eine neue Stelle zu suchen.

Damals war ich beim RAV, das ist das schweizerische Arbeitsamt.

Rückblickend war diese Zeit sogar etwas Positives. Ich durfte verschiedene Kurse besuchen, mein Englisch verbessern, meine PC-Kenntnisse mit einem Diplom abschliessen und lernte vieles rund um Bewerbungen und die Jobsuche. Ich erhielt sogar gute Stellenangebote. Doch ich traute sie mir oft nicht zu.

Schliesslich begann ich das erste Mal im Kundendienst zu arbeiten. Ich dachte damals wirklich, dass das schon irgendwie funktionieren würde. Heute weiss ich, dass ich meine psychischen Grenzen damals noch überhaupt nicht verstanden habe. Der ständige Kontakt mit Menschen, Konflikte, Beschwerden und der permanente soziale Druck waren für mich viel belastender, als ich damals wahrhaben wollte.

Nach einigen Monaten endete dieses Arbeitsverhältnis. Danach arbeitete ich über eine Personalvermittlung in einer anderen Firma und später bei einem Energieversorger im Kanton Bern.

Nach aussen sah mein Lebenslauf vermutlich gar nicht so aussergewöhnlich aus. Für mich innerlich wurde es jedoch immer anstrengender. Ich funktionierte. Aber das Funktionieren kostete mich immer mehr Kraft.


Als plötzlich alles zusammenkam

Ende 2021 zogen Kim und ich aufgrund meiner neuen Arbeitsstelle in den Kanton Bern. Durch Corona war Homeoffice möglich geworden, wir adoptierten Blue und mussten deshalb eine neue Wohnung finden, weil Hunde in unserer alten Wohnung nicht erlaubt waren. Das war dann der ausschlaggebende Punkt, warum wir beschlossen hatten, den Aargau zu verlassen und in den Kanton Bern zu ziehen.

Eigentlich hätte dieser Umzug ein schöner neuer Lebensabschnitt werden sollen. Doch genau dort begann meine finanzielle Geschichte langsam zu kippen.

Vorher wohnten wir mit meinem Papa zusammen. Viele Kosten konnten geteilt werden. Nach dem Umzug war plötzlich alles anders. Die Miete, Versicherungen, das Auto, Blue, die Lebensunterhaltskosten, Internet, Handys: Alles musste ich plötzlich alleine bezahlen. Und gleichzeitig fand Kim damals lange keine Arbeitsstelle. Da er seine ADHS Diagnose erst 2023 bekam, war es für ihn auch schwierig, mit der ganzen Situation und mit sich selbst klarzukommen. Mit seinen Arbeitsbemühungen in der Schweiz hatte er bisher wenig Glück gehabt und dadurch auch viel Motivation verloren.

Also musste ich mit meinem Einkommen praktisch alles finanzieren. Ich arbeitete Vollzeit. Und trotzdem reichte das Geld hinten und vorne nicht. Damals begann ich zum ersten Mal, Rechnungen aufzuschieben. Nicht, weil ich sie nicht bezahlen wollte. Sondern weil ich sie schlicht nicht bezahlen konnte. Ich musste abwägen, was am wichtigsten war und welche Rechnungen ich überhaupt bezahlen konnte.


Psychische Belastung durch Schulden - Wenn aus Sorgen Dauerstress wird

Wer noch nie ernsthafte finanzielle Sorgen hatte, stellt sich Schulden oft wie einen Stapel Rechnungen vor. Doch so fühlt es sich nicht an. Schulden hören nicht auf, wenn man die Briefe in eine Schublade legt. Sie sind morgens da. Sie begleiten einen zur Arbeit. Sie sitzen mit am Esstisch. Sie liegen neben einem im Bett. Sie fahren mit im Auto. Sie gehen mit zum Einkaufen. Sie sind immer da.

Jeder Gang zum Briefkasten wird plötzlich zu einer Quelle von Angst. Jeder Brief lässt den Puls steigen. Jede Mail kann bedeuten, dass wieder jemand Geld möchte, das man gar nicht hat. Irgendwann blieb die Angst bei mir nicht mehr nur beim Briefkasten. Selbst wenn es an der Haustüre klingelte, schoss mein Puls sofort nach oben. Ich bekam sofort Angst, dass der Postbote vor der Tür steht und mir eine Betreibung bringt. Oder dass irgendjemand etwas von mir möchte, das ich nicht erfüllen kann. Irgendwann wurde diese Angst so gross, dass ich unsere Türklingel sogar ausgeschaltet habe. Selbst Geräusche im Treppenhaus versetzten mich in Panik. Und da Blue hier angefangen hatte, jedes Geräusch mit einem Bellen zu kommentieren, war ich irgendwann so gestresst und in Panik, dass ich versucht habe, ihr zu erklären, dass wir uns still verhalten müssen und niemand wissen darf, dass wir zuhause sind. Zeitweise habe ich mich auch nur noch bei geschlossener Türe im Schlafzimmer im Bett verkrochen, wenn Kim nicht zu Hause war.

Von aussen wirkt das vielleicht übertrieben. Für mich war es in diesem Moment einfach der Versuch, wenigstens eine Quelle der ständigen Anspannung auszuschalten. Mit der Zeit wurde die Angst aber noch grösser. Irgendwann leerte ich meinen Briefkasten gar nicht mehr.

Und wenn ich die Post doch einmal nach oben nahm, blieb sie oft wochen- oder sogar monatelang ungeöffnet liegen. Nicht weil es mir egal war. Sondern weil ich genau wusste, dass wahrscheinlich wieder eine Rechnung, eine Mahnung oder eine Betreibung darin sein könnte. Solange der Brief geschlossen blieb, musste ich mich wenigstens für einen kurzen Moment nicht mit dem auseinandersetzen, was darin stand.

Natürlich verschwanden die Probleme dadurch nicht. Im Gegenteil. Sie wurden mit jedem ungeöffneten Brief grösser. Mit jedem ungeöffneten Brief wurde auch die Hürde grösser, ihn doch noch zu öffnen. Aus einem Brief wurden fünf. Aus fünf wurden zwanzig. Irgendwann wusste ich gar nicht mehr, wo ich überhaupt anfangen sollte. Und genau dadurch wurde die Angst jedes Mal noch grösser. Angst handelt selten vernünftig. Sie versucht nicht, Probleme zu lösen. Sie versucht nur, sie für einen kurzen Moment nicht spüren zu müssen.

Dieser Dauerstress verschwindet nie. Der Körper bekommt kaum noch Gelegenheit, sich wirklich zu entspannen. Und genau das macht Schulden zu so viel mehr als nur einem finanziellen Problem.

Sie werden zu einer dauerhaften psychischen Belastung. Nicht für einen Tag. Nicht für eine Woche. Sondern oft über Monate oder sogar Jahre hinweg. Und genau dort beginnt eine Spirale, über die viel zu selten gesprochen wird.


Wenn der Kopf nie mehr zur Ruhe kommt

Ich lebe mit Borderline und einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Beide Erkrankungen bringen bereits für sich eine enorme emotionale Belastung mit sich. Wenn dann noch finanzielle Sorgen dazukommen, ist das nicht einfach ein weiteres Problem auf einer ohnehin schon langen Liste. Es ist, als würde jemand ein zusätzliches Gewicht auf Schultern legen, die längst keine Kraft mehr haben.

Schulden bedeuten nämlich nicht nur, dass Geld fehlt. Sie bedeuten Unsicherheit, Kontrollverlust, Angst und vor allem bedeuten sie Dauerstress. Unser Nervensystem ist eigentlich dafür gemacht, Belastungen zu bewältigen und danach wieder zur Ruhe zu kommen. Doch genau das passiert bei dauerhaften finanziellen Sorgen oft nicht mehr. Es gibt keinen Feierabend, keine Pause, keinen Moment, in dem das Problem einfach verschwindet.

Selbst wenn man gerade lacht, einen Film schaut oder mit Freunden unterwegs ist, ist irgendwo im Hinterkopf immer dieser Gedanke. „Wie soll das alles weitergehen?“ Irgendwann wacht man bereits mit Anspannung auf. Der Kopf beginnt sofort zu rechnen. Welche Rechnung kommt als Nächstes? Reicht das Geld bis Ende Monat? Kommt heute wieder ein Brief? Was ist, wenn Blue zum Tierarzt muss?

Es fühlt sich an, als würde das Gehirn ständig nach einer Lösung suchen. Doch wenn es keine Lösung findet, dreht es sich weiter im Kreis.


Scham frisst einen von innen auf

Ich glaube, einer der schwierigsten Teile an Schulden ist gar nicht das Geld. Es ist die Scham. Scham ist ein unglaublich starkes Gefühl. Sie lässt einen glauben, mit einem selbst stimme etwas nicht. Dass man versagt hat. Dass andere einen verurteilen würden, wenn sie die Wahrheit kennen würden. Genau deshalb sprechen viele Menschen gar nicht erst darüber. Man versucht, möglichst normal zu wirken. Man lächelt, man funktioniert und gleichzeitig hofft man, dass niemand merkt, wie gross die Sorgen eigentlich sind.

Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Nicht, weil ständig jemand etwas Gemeines zu mir gesagt hätte. Sondern weil ich immer wieder höre und lese, wie Menschen über andere mit Schulden sprechen und schreiben. Wie schnell geurteilt wird. Wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass jemand einfach unverantwortlich gewesen sein muss. Dass er über seine Verhältnisse gelebt hat. Dass er sich selbst in diese Situation gebracht hat. Dass man doch einfach arbeiten gehen soll und weniger Geld ausgeben soll.

Wenn man solche Dinge hört oder liest und selbst Schulden hat, traut man sich irgendwann kaum noch, etwas zu sagen. Denn plötzlich hat man Angst, dass genau gleich über einen selbst gedacht wird.

Also schweigt man. Und mit jedem Mal wird die Scham ein bisschen grösser.


Schuldgefühle hören irgendwann nicht mehr auf

Zur Scham kommen oft noch Schuldgefühle. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der Schulden hat, sich dabei einfach wohlfühlt. Im Gegenteil. Viele machen sich ständig Vorwürfe. Sie überlegen immer wieder, was sie hätten anders machen müssen. Sie spielen Situationen im Kopf hundertmal durch.

Hätte ich diesen Job annehmen sollen? Hätte ich Hilfe holen müssen? Hätte ich dieses oder jenes anders entscheiden sollen? So geht es mir zumindest.

Diese Gedanken ändern zwar nichts mehr an der Situation. Trotzdem hören sie nicht auf. Sie laufen wie ein Radio im Hintergrund. Immer und immer wieder. Irgendwann beginnt man sogar, sich für Dinge schuldig zu fühlen, für die man gar nichts kann. Für eine Krankheit. Für den Verlust der Arbeitsfähigkeit. Dafür, dass Angehörige sich Sorgen machen. Oder dafür, dass der Partner die Situation mittragen muss. Dabei vergisst man oft, dass Schuld und Verantwortung nicht immer dasselbe sind.


Wenn Hoffnung langsam verschwindet

Am Anfang glaubt man oft noch daran, dass man die Situation irgendwie wieder in den Griff bekommt. Man versucht, aufzuholen. Man bezahlt eine Rechnung nach der anderen. Man hofft, dass sich alles wieder beruhigt. Doch wenn die Probleme über Monate oder Jahre bestehen bleiben, verändert sich etwas.

Die Hoffnung wird kleiner. Nicht von heute auf morgen. Sondern ganz langsam. Mit jeder Mahnung. Mit jeder neuen Rechnung. Mit jeder Betreibung. Mit jedem Brief.

Irgendwann denkt man nicht mehr: „Ich schaffe das.“  Sondern nur noch: „Es bringt doch sowieso nichts mehr.“  Diese Hoffnungslosigkeit ist unglaublich gefährlich. Nicht nur finanziell. Sondern auch psychisch. Denn wenn man das Gefühl hat, dass sich sowieso nichts mehr verbessern lässt, verliert man oft auch die Kraft, überhaupt noch etwas zu versuchen.


Warum sich meine psychischen Erkrankungen dadurch verschlechtert haben

Finanzielle Sorgen waren für mich nie nur ein organisatorisches Problem. Sie wurden irgendwann zu einem Teil meiner psychischen Erkrankung. Oder vielleicht besser gesagt: Sie haben meine Erkrankungen immer weiter angefeuert. Meine Anspannung wurde stärker. Meine Gedanken wurden dunkler. Ich konnte schlechter schlafen. Ich grübelte ständig. Ich bekam Blackouts und Panikattacken. Ich zog mich immer mehr zurück. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich unter diesem Druck einfach zusammenbreche. Es war nicht nur die Angst vor den Rechnungen. Es war das Gefühl, dass ich mein Leben nicht mehr unter Kontrolle habe. Dass egal, wie sehr ich mich anstrenge, immer wieder etwas Neues dazukommt. Dass ich nur noch versuche, irgendwo Wasser aus einem sinkenden Schiff zu schöpfen, während ständig neue Löcher entstehen. Das Gefühl, ständig zu ertrinken, wurde zur Normalität.

Ich glaube, Menschen, die so etwas nie erlebt haben, unterschätzen oft, wie viel Energie dauerhafte Existenzängste kosten. Man funktioniert irgendwann nur noch. Aber man lebt nicht mehr wirklich.


Wenn der Druck nach einem Ausweg sucht

Psychischer Druck verschwindet nicht einfach. Er sucht sich einen Weg. Bei jedem Menschen kann dieser Weg anders aussehen. Manche beginnen mehr Alkohol zu trinken. Andere greifen häufiger zu Drogen. Manche entwickeln Essanfälle. Andere hungern. Manche verletzen sich selbst. Nicht, weil sie das möchten. Sondern weil der innere Druck irgendwann so gross wird, dass das Gehirn verzweifelt nach irgendeiner Möglichkeit sucht, ihn für einen kurzen Moment auszuhalten.

Auch ich kenne dieses Gefühl. Nicht die Schulden selbst lösen diese Dinge aus. Aber sie können den Druck so stark erhöhen, dass bestehende psychische Erkrankungen immer schwerer werden. Gerade bei Borderline kann eine dauerhaft hohe Anspannung dazu führen, dass destruktive Bewältigungsstrategien wieder viel verlockender wirken. Sie versprechen für einen kurzen Moment Erleichterung. Auch wenn sie das eigentliche Problem natürlich nicht lösen. Bei mir spielte damals zusätzlich meine Cannabisabhängigkeit eine grosse Rolle. Je schlechter es mir ging, desto mehr wollte ich vor allem fliehen. Für kurze Zeit nicht mehr nachdenken müssen. Für kurze Zeit die Angst nicht mehr spüren. Doch genau dadurch verschärfte sich meine finanzielle Situation noch weiter. Es entstand ein Teufelskreis.

Mehr Stress führte dazu, dass ich mehr konsumierte. Mehr Konsum bedeutete noch weniger Geld. Weniger Geld führte zu noch mehr Sorgen. Und diese Sorgen erhöhten den Druck erneut. Später kam auch wieder Selbstverletzung hinzu und schliesslich irgendwann auch Alkoholmissbrauch, weil Cannabis allein nicht mehr gereicht hat, diese Gefühle zu betäuben.

Erst im Rückblick wird mir bewusst, wie eng psychische Erkrankungen, Sucht und finanzielle Probleme miteinander verflochten sein können. Nicht, weil sie sich gegenseitig verursachen. Sondern weil sie sich gegenseitig immer weiter verstärken können.


Schulden machen einsam

Etwas, worüber kaum gesprochen wird, ist die Einsamkeit. Schulden führen oft dazu, dass man sich immer mehr zurückzieht. Man sagt Treffen ab. Nicht unbedingt, weil man keine Lust hat. Sondern weil man sich den Restaurantbesuch vielleicht gar nicht leisten kann. Oder weil man Angst hat, irgendwann erklären zu müssen, warum man nie Geld hat. Man beginnt Ausreden zu suchen, man meldet sich weniger, man erzählt immer weniger aus seinem Leben.

Früher war ich eigentlich ein sehr kommunikativer Mensch. Ich war gerne unterwegs, traf Freunde und hatte Freude daran, etwas zu unternehmen. Doch mit den Schulden wurde ich immer stiller. Die Scham wurde grösser. Ich zog mich immer weiter zurück. Irgendwann wurde selbst das Spazieren mit Blue schwieriger. Nicht weil ich keine Freude mehr an ihr hatte. Sondern weil ich immer mehr Angst vor Menschen bekam. Ich hatte ständig das Gefühl, jemand könnte etwas von mir wollen oder mich auf irgendeine Weise mit meinen finanziellen Problemen konfrontieren. Scham kann unglaublich still machen. Und je stiller man wird, desto einsamer fühlt man sich. Gerade in schwierigen Zeiten wäre Unterstützung eigentlich besonders wichtig. Doch genau dann ziehen sich viele Menschen immer weiter zurück.

Ich glaube, auch deshalb wird die psychische Belastung durch Schulden oft unterschätzt. Von aussen sieht man vielleicht nur offene Rechnungen. Was man nicht sieht, ist der Mensch dahinter, der Tag für Tag versucht, unter diesem Gewicht irgendwie weiterzumachen.

Rückblickend merke ich, wie klein meine Welt mit der Zeit geworden ist. Immer weniger Kontakte. Immer weniger Unternehmungen. Immer mehr Zeit alleine Zuhause.


Wenn selbst Geld ausgeben Angst macht

Etwas, das bis heute geblieben ist, ist die Angst davor, Geld auszugeben. Dabei geht es nicht darum, dass ich ständig Dinge kaufen möchte, im Gegenteil. Sobald Geld mein Konto verlässt, meldet sich sofort dieses Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Selbst wenn ich etwas wirklich brauche. Neue Schuhe, Kleidung, Dinge für den Alltag. Manchmal sogar beim Essen. Fast sofort kommt der Gedanke: „Das hättest du nicht kaufen dürfen.“ „Du hättest sparen müssen.“ „Du kannst dir das eigentlich gar nicht leisten.“ Ich bekomme direkt ein schlechtes Gewissen, dass ich mir jetzt etwas gekauft habe.

Noch schwieriger wird es, wenn Kim erzählt, dass er sich gerne etwas kaufen möchte. Obwohl ich weiss, dass es sein Geld ist und wir Entscheidungen gemeinsam treffen können, gerate ich innerlich sofort unter Druck. Meine Gedanken springen unmittelbar zu unseren Schulden. Zu den offenen Rechnungen, zur nächsten Betreibung. Zu der Angst, dass wir irgendwann wieder zu wenig haben könnten. Es fühlt sich an, als würde mein Gehirn jedes ausgegebene Geld sofort mit existenzieller Gefahr verbinden. Ich weiss, dass diese Gedanken nicht immer objektiv sind. Aber Angst funktioniert leider nicht objektiv. Sie fragt nicht, ob eine Ausgabe vernünftig war. Sie fragt nur: „Was, wenn das jetzt ein Fehler war?“


Warum man schneller in eine Schuldenspirale geraten kann, als viele denken

Ich glaube, viele Menschen stellen sich Schulden wie einen einzelnen Fehler vor. Als hätte jemand eine schlechte Entscheidung getroffen und müsste nun einfach die Konsequenzen tragen. Doch so einfach ist es oft nicht. Schulden entstehen häufig nicht durch ein einzelnes Ereignis. Sie entstehen Schritt für Schritt.

Und irgendwann entwickelt sich daraus etwas, das oft als Schuldenspirale bezeichnet wird.

Eine Schuldenspirale bedeutet vereinfacht gesagt, dass bestehende Schulden wiederum neue Schulden verursachen. Genau dadurch wird es immer schwieriger, aus eigener Kraft wieder herauszukommen.

Man verliert beispielsweise den Arbeitsplatz oder wird krank oder erlebt eine Trennung und plötzlich fehlt Einkommen. Die ersten Rechnungen bleiben liegen, es folgen Mahnungen und dann Betreibungen. Vielleicht findet man irgendwann wieder Arbeit oder erhält wieder ein Einkommen. Eigentlich könnte man denken, dass sich die Situation nun langsam verbessert. Doch genau an diesem Punkt beginnt für viele Menschen erst das eigentliche Problem.


Wenn finanzielle Sicherheit längst nicht mehr selbstverständlich ist

Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Trotzdem bedeutet das nicht, dass finanzielle Sicherheit für jeden Menschen selbstverständlich ist. Auch ein regelmässiges Einkommen bedeutet nicht automatisch, dass am Ende des Monats genügend Geld übrig bleibt, um Rücklagen zu bilden oder unerwartete Ausgaben problemlos aufzufangen.

Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen das ziemlich deutlich.

2024 lebte rund jede vierte Person aus der unteren mittleren Einkommensgruppe in einem Haushalt, der eine unerwartete Ausgabe von 2'500 Franken nicht aus eigenen Mitteln bezahlen konnte. Bei rund jeder zehnten Person dieser Einkommensgruppe machten die Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens aus.

Über die gesamte Bevölkerung hinweg konnten 20,7 Prozent eine unerwartete Ausgabe von 2'500 Franken nicht aus eigenen Mitteln bezahlen. 11,1 Prozent gaben an, Schwierigkeiten oder grosse Schwierigkeiten zu haben, finanziell über die Runden zu kommen. Das finde ich bemerkenswert. Denn diese Zahlen zeigen, dass zwischen „arm sein“ und „finanziell sorgenfrei leben“ eine ziemlich grosse Welt liegt.

Man kann arbeiten. Man kann zur Mittelschicht gehören. Man kann seine Rechnungen bezahlen. Und trotzdem vielleicht kaum die Möglichkeit haben, grössere Rücklagen zu bilden. Solange alles nach Plan läuft, kann das funktionieren.

Doch das Leben läuft nicht immer nach Plan. Eine Krankheit, Arbeitslosigkeit, eine Trennung, steigende Fixkosten oder eine unerwartete grössere Ausgabe können eine finanzielle Situation plötzlich verändern. Und wenn vorher schon kaum Spielraum vorhanden war, gibt es vielleicht auch kein grosses finanzielles Polster, das einen auffängt.

Genau deshalb finde ich es wichtig, finanzielle Sicherheit nicht als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Denn zwischen „Ich komme momentan über die Runden“ und „Ich kann einen finanziellen Rückschlag problemlos auffangen“ kann ein ziemlich grosser Unterschied liegen.


Familie am Tisch mit Rechnungen und einer Waage, auf der viele finanzielle Verpflichtungen wenigen Rücklagen gegenüberstehen.

Wenn Geld plötzlich etwas über den eigenen Wert auszusagen scheint

Hinzu kommt für mich noch etwas anderes. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Geld und Besitz sehr sichtbar sind. Wir sehen Wohnungen, Autos, Reisen, Kleidung, technische Geräte und all die anderen Dinge, die sich Menschen leisten können. Was wir meistens nicht sehen, ist der Kontostand dahinter.

Wir sehen nicht, wie lange jemand dafür gespart hat. Wir sehen nicht, ob jemand Unterstützung erhalten hat. Wir sehen nicht, welche finanziellen Verpflichtungen jemand hat. Und wir sehen erst recht nicht, wer am Ende des Monats vielleicht selbst kaum noch weiss, wie er alle Rechnungen bezahlen soll. Gleichzeitig kann schnell der Eindruck entstehen, finanzieller Erfolg sage auch etwas darüber aus, wie erfolgreich ein Mensch insgesamt ist. Wer viel besitzt, scheint es „geschafft“ zu haben. Wer finanzielle Probleme hat, scheint dagegen etwas falsch gemacht zu haben.

Und genau dieses Denken kann Scham noch verstärken. Denn dann geht es plötzlich nicht mehr nur darum: „Ich habe Schulden.“ Sondern irgendwann fühlt es sich an wie: „Ich habe versagt.“

Dabei ist ein Kontostand kein Mass für den Wert eines Menschen. Eine Betreibung sagt nichts darüber aus, ob jemand ein guter Mensch ist. Ein niedriges Einkommen sagt nichts darüber aus, wie intelligent, liebevoll, zuverlässig oder wertvoll jemand ist.

Und trotzdem kann es sich unglaublich schwer anfühlen, offen zu sagen: „Ich kann mir das gerade nicht leisten.“ Oder: „Ich habe finanzielle Probleme.“ Oder sogar: „Ich habe Schulden.“

Denn man weiss nie, was das Gegenüber daraus macht. Denkt die Person jetzt anders über mich? Hält sie mich für verantwortungslos? Fragt sie sich, warum ich mein Leben nicht besser im Griff habe?

Genau solche Gedanken können dazu führen, dass man lieber schweigt. Dass man Ausreden erfindet, wenn man irgendwo nicht mitkommen kann. Dass man nicht erzählt, warum man gerade Sorgen hat. Dass man versucht, nach aussen so normal wie möglich weiterzumachen, während innerlich längst alles von Angst und finanzieller Unsicherheit bestimmt wird.

Und dadurch entsteht ein weiterer Widerspruch: Gerade wenn man Unterstützung und Verständnis besonders dringend brauchen würde, wird es immer schwieriger, überhaupt darüber zu sprechen. Die Scham macht still. Und dieses Schweigen kann wiederum unglaublich einsam machen. Vielleicht sollten wir deshalb viel weniger danach fragen, was jemand besitzt, verdient oder sich leisten kann. Und viel häufiger danach, wie es dem Menschen dahinter eigentlich geht.


Wenn man wieder aufstehen möchte und trotzdem weiterfällt

Gläubiger können das Einkommen pfänden lassen. Beim Betreibungsamt wird dafür das sogenannte Existenzminimum berechnet. Das soll sicherstellen, dass man die notwendigsten Lebenshaltungskosten weiterhin bezahlen kann.

Was viele Menschen jedoch nicht wissen: Nicht alle Ausgaben werden dabei berücksichtigt.

Steuern gehören beispielsweise nicht zum Existenzminimum. Auch verschiedene weitere laufende Kosten, Strom, Internet, Handy oder bereits bestehende Verpflichtungen wie ein Leasing werden oft nicht oder nicht vollständig berücksichtigt. Das bedeutet, dass man zwar genug Geld hat, um gerade so das Nötigste zum Leben zu bezahlen. Aber für viele andere Rechnungen bleibt schlicht nichts mehr übrig. Und genau dadurch entstehen oft neue Schulden. Nicht weil jemand verschwenderisch lebt. Nicht weil jemand plötzlich unvernünftig geworden ist. Sondern weil das Geld rechnerisch einfach nicht mehr reicht. Ich finde, genau darüber wird viel zu wenig gesprochen. Denn von aussen sieht es vielleicht so aus, als würde jemand immer wieder neue Schulden machen. Dabei versucht diese Person vielleicht gerade jeden einzelnen Franken umzudrehen.



Ein Auto, Internet und Handy zu haben, während man Schulden hat, zählt in der Schweiz als Luxus und wird deshalb nicht im Existenzminimum berechnet. Ebenfalls werden, wie bereits erwähnt, Steuern nicht in das Existenzminimum einberechnet, obwohl man diese trotzdem leisten muss. Man bekommt den Betrag für die Miete angerechnet, den Betrag für die Grundversicherung der Krankenkasse und einen gewissen Betrag für den Lebensunterhalt. Mit diesem Pauschalbetrag muss man Versicherungen, Lebensmittel, Hygieneartikel, Haustiere, Leistungsabrechnungen der Krankenkasse, Strom und eventuell noch bereits offene Schulden bezahlen, wenn man beispielsweise bereits Abzahlungsverträge vereinbart hat, um irgendwie seine Schulden zu minimieren. Diese Kosten werden nicht in das Existenzminimum einberechnet, egal ob man diese Kosten bereits vorher gehabt hat oder nicht. Dieses System führt nicht zu einer nachhaltigen Schuldensanierung, wenn einem Schuldner vom Betreibungsamt die Hälfte seines Einkommens gepfändet wird und er seine laufenden Kosten nicht mehr decken kann und somit weitere Schulden aufbaut.
Es wird auch nicht beachtet, dass man heutzutage Internet und Handy braucht, um arbeiten zu können, denn ohne diese Mittel ist es beinahe unmöglich, einen Job zu finden.
Ich finde dieses System sehr paradox und wenig nachhaltig.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich hier von meiner persönlichen Erfahrung und der Berechnung meines eigenen Existenzminimums durch das Betreibungsamt spreche. Obwohl ich alle verlangten Unterlagen eingereicht und meine finanzielle Situation offengelegt hatte, wurden bei mir neben der Miete und der Grundversicherung der Krankenkasse lediglich ein festgelegter Pauschalbetrag für den Lebensunterhalt berücksichtigt. Auf dieser Grundlage wurde berechnet, dass ungefähr die Hälfte meiner Renteneinkünfte gepfändet wird.


Genau das erlebe ich gerade selbst

Auch ich befinde mich inzwischen in einer solchen Situation.

Nachdem ich meine Arbeit verloren hatte und später aufgrund meiner psychischen Erkrankungen nicht mehr arbeiten konnte, erhielt ich schliesslich eine IV-Rente und eine Invalidenpension. Eigentlich könnte man meinen, dass damit endlich wieder etwas Ruhe einkehren würde. Doch ein Gläubiger kann jedes Jahr erneut eine Betreibung einleiten. Und genau das ist passiert. Aufgrund meines Einkommens wurde berechnet, dass ich über dem Existenzminimum liege. Deshalb wird nun fast meine ganze Invalidenpension gepfändet. Auf dem Papier klingt das vielleicht nachvollziehbar. In meinem Alltag bedeutet es jedoch etwas ganz anderes.

Mir bleibt genügend Geld für Dinge wie die Miete, die Krankenkasse und den minimalsten Lebensunterhalt. Aber viele andere laufende Kosten bleiben trotzdem bestehen. Steuern verschwinden nicht einfach. Auch Strom, Versicherungen, Leistungsabrechnungen, Internet oder andere bestehende Verpflichtungen müssen weiterhin bezahlt werden. Auch Blue braucht weiterhin ihr gewohntes Futter und Reserven für allfällige Notfälle. Nur ist dafür gar kein Geld mehr vorhanden. Und genau das macht mir Angst. Nicht weil ich Rechnungen ignorieren möchte. Sondern weil ich weiss, dass manche davon schlicht nicht bezahlt werden können. Das bedeutet, dass wieder neue Schulden entstehen können. Nicht weil ich nichts daraus gelernt hätte. Sondern weil das Geld rechnerisch einfach nicht reicht.


Schulden sind nicht nur ein finanzielles Problem

Ich glaube, genau das wird oft unterschätzt. Viele Menschen sehen bei Schulden nur Zahlen.

Ich sehe schlaflose Nächte. Ich sehe Menschen, die jeden Brief mit Herzrasen öffnen, die sich schämen, Hilfe anzunehmen und die sich nicht mehr trauen, Freunden die Wahrheit zu erzählen.

Ich sehe Beziehungen, die unter dem ständigen Druck leiden. Ich sehe Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Ich sehe Menschen, die jeden Einkauf dreimal durchrechnen und die sich irgendwann fragen, ob dieses Leben überhaupt jemals wieder leichter wird.

Schulden nehmen einem oft nicht nur Geld.

Sie nehmen Sicherheit. Sie nehmen Freiheit. Sie nehmen Hoffnung. Und irgendwann nehmen sie auch unglaublich viel Lebensqualität.


Niemand kennt die ganze Geschichte

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke, den ich mit diesem Beitrag mitgeben möchte.

Wir wissen nie, warum ein Mensch Schulden hat. Vielleicht hat er tatsächlich schlechte Entscheidungen getroffen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hat eine Krankheit alles verändert. Vielleicht hat eine psychische Erkrankung dazu geführt, dass Arbeiten irgendwann nicht mehr möglich war. Vielleicht hat eine Trennung alles auf den Kopf gestellt. Vielleicht hat jemand seinen Arbeitsplatz verloren. Vielleicht kam einfach irgendwann ein Schicksalsschlag nach dem anderen.

Das Problem ist, dass man einem Menschen seine Geschichte nicht ansieht. Man sieht weder die schlaflosen Nächte. Noch die Panik beim Öffnen des Briefkastens. Noch die Angst vor jedem neuen Monat. Man sieht auch nicht die unzähligen Gedanken, die sich Tag und Nacht darum drehen, wie man irgendwie weitermachen soll.

Deshalb wünsche ich mir, dass wir aufhören, Menschen mit Schulden vorschnell zu verurteilen. Dass wir aufhören zu glauben, wir könnten anhand eines Betreibungsregisterauszugs oder einer offenen Rechnung den Charakter eines Menschen beurteilen. Denn eine finanzielle Situation sagt niemals aus, was einen Menschen und seine Geschichte ausmacht.


Junge Frau auf einer belebten Strasse, umgeben von unsichtbaren Erinnerungen an Krankheit, Jobverlust, Trennung, finanzielle Sorgen und schlaflose Nächte.

Zum Schluss

Es hat mich viel Überwindung gekostet, diesen Beitrag zu schreiben.

Nicht nur, weil ich mich für meine Geschichte schäme. Sondern auch, weil ich weiss, wie schnell Menschen urteilen können. Trotzdem finde ich, dass wir mehr über dieses Thema sprechen sollten.

Ich wünsche mir kein Mitleid. Ich wünsche mir Verständnis.

Ich wünsche mir, dass man einen Menschen nicht auf seine finanzielle Situation reduziert und dass man nicht automatisch davon ausgeht, jemand sei selbst schuld.

Falls du selbst gerade in einer ähnlichen Situation steckst, möchte ich, dass du weisst: Du bist nicht allein.

Auch wenn sich Schulden oft unglaublich einsam anfühlen und man sich irgendwann kaum noch traut, darüber zu sprechen, gibt es viele Menschen, die ähnliche Ängste, Sorgen und Gefühle erleben.

Und falls du bisher zu den Menschen gehört hast, die über Schulden eher vorschnell geurteilt haben, dann hoffe ich, dass dir dieser Beitrag vielleicht einen anderen Blickwinkel zeigen konnte.

Denn hinter Schulden steckt oft viel mehr als fehlendes Geld. Es steckt ein Mensch dahinter. Mit einer Geschichte, die man von aussen nicht sehen kann.


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick geben, wie belastend finanzielle Sorgen für die Psyche sein können und warum Schulden oft so viel mehr sind als nur offene Rechnungen oder Zahlen auf einem Blatt Papier. Vielleicht begegnet ihr Menschen mit Schulden nach diesem Beitrag mit etwas mehr Verständnis. Man weiss nie, welchen Weg jemand hinter sich hat und welche Kämpfe er jeden Tag mit sich trägt.


Ich wünsche euch von Herzen einen schönen Tag. Passt gut auf euch auf. ❤️

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page