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Ein Tag ohne Krise und trotzdem am Limit – wie sich Alltag mit BPS und kPTBS anfühlt

Hallo ihr Lieben


Es gibt Tage, an denen nichts eskaliert. Keine Krise. Kein Zusammenbruch. Kein Streit. Und trotzdem bin ich am Abend völlig am Limit.

Von aussen wirken solche Tage oft ruhig. Manchmal sogar erfolgreich. Ich war draussen, habe Dinge erledigt, mich gekümmert, funktioniert. Und doch fühlt sich mein Körper an, als hätte er einen Marathon hinter sich. Nicht, weil so viel passiert ist, sondern weil innerlich kaum etwas zur Ruhe kam und ich den ganzen Tag über versucht habe, mich selbst zu regulieren.


Der Alltag mit BPS und kPTBS beginnt nicht erst beim Aufstehen

Heute Morgen begann der Tag lange bevor ich wirklich wach war. Um fünf Uhr bin ich aus dem Schlaf gerissen worden, nach wirren Träumen, die emotional belastend waren, ohne dass ich sie greifen konnte. Ich weiss nicht mehr, was genau ich geträumt habe, aber das Gefühl blieb. Dieses diffuse Etwas, das sich im Körper festsetzt. Schwer, unruhig, angespannt.

Ich schlief nochmals ein, träumte weiter und wachte um neun Uhr erneut auf. Müde. Innerlich vernebelt. So, als hätte mein Körper die Nacht nicht wirklich zur Erholung genutzt. Doch ich musste aufstehen, der erste innerliche Druck kam schon, denn ich sagte mir, "Du musst jetzt aufstehen, du musst raus mit Blue!"

Eigentlich wollte ich ruhig in den Tag starten, so wie ich es brauche. Aufstehen, mit Blue rausgehen, langsam ankommen. Doch kaum zehn Minuten wach, kam die erste Nachricht. Rechnungen. Zahlen. Admin. Verantwortung. Noch bevor mein Nervensystem überhaupt realisiert hatte, dass der Tag begonnen hat, war ich mitten im Funktionieren.


Kleinigkeiten, die sofort alles kippen lassen

Ich spürte sofort, wie sich in mir alles zusammenzog. Eine enorme innere Anspannung, Überforderung, das Gefühl, dass alles zu viel ist. Meine Gedanken wurden chaotisch, klare Linien verschwanden. In meinem Körper breitete sich diese bekannte Enge aus. Ein Druck im Brustkorb, schwer zu beschreiben, aber sehr präsent. Als würde mein ganzer Körper schwerer werden, schmerzhaft und zäh.

Dann fehlte diese eine Rechnung. Objektiv betrachtet eine Kleinigkeit. Für mein Nervensystem ein riesiger Stressor. Ich suchte überall, lief rastlos durch die Wohnung, wusste nicht mehr, wohin mit mir. Immer wieder versuchte ich mir zu sagen, dass ich es gerade nicht ändern kann. Dass ich akzeptieren muss, dass sie jetzt nicht auffindbar ist. Wirklich beruhigt hat mich das nicht.

Gleichzeitig wusste ich, dass ich mit Blue raus muss. Also zwang ich mich, mich anzuziehen, parat zu machen, Schritt für Schritt. Doch während ich versuchte, mich anzuziehen, drifteten meine Gedanken immer wieder zurück zu den Rechnungen, ich brach immer wieder ab, lief durch die Wohnung und suchte weiter nach der nicht auffindbaren Rechnung. Ich musste mich innerlich immer wieder stoppen, mir sagen, dass mein Fokus jetzt woanders liegen muss. Irgendwann schaffte ich es. Angekleidet. Blue parat. Alles eingepackt. Wir gingen endlich los.


Draussen funktionieren, obwohl innen alles wackelt

Beim Spaziergang musste ich präsent sein. Wirklich präsent. Immer wieder merkte ich, wie meine Gedanken abschweiften oder ich kurz nicht mehr wusste, wo ich gerade war. Dissoziation. Draussen ist das keine Option. Wenn Blue frei läuft, braucht sie meine volle Aufmerksamkeit. Sie spürt sofort, wenn ich innerlich weg bin. Dann hört sie schlechter, orientiert sich weniger an mir, macht ihr eigenes Ding. Ich muss mögliche Gefahren früh erkennen, andere Hunde, Autos, Katzen, Fischreiher, ihr persönlicher Endgegner. Ich muss sie im Blick behalten, rechtzeitig abrufen, bei ihr bleiben.

Wenn ich draussen dissoziiere, ist das für uns beide gefährlich. Also hole ich mich immer wieder zurück in den Moment, zu Blue, zur Umgebung. Es klappt, aber es kostet unglaublich viel Energie.


Ein Tag ohne sichtbare Krise und trotzdem völlig erschöpft. In diesem Beitrag beschreibe ich, wie sich Alltag mit BPS und kPTBS anfühlen kann, wie Kleinigkeiten enorme innere Anspannung auslösen und wie viel unsichtbare Arbeit hinter scheinbar ruhigen Tagen steckt.

Routine als Rettungsanker

Wieder zuhause war die Anspannung etwas tiefer. Routine hilft mir dabei. Blue füttern, Barf vorbereiten, später mein Frühstück vorbereiten. Immer gleich. Diese Gleichförmigkeit bringt meinem Nervensystem Sicherheit.

Normalerweise ist mein Start in den Tag klar strukturiert. Aufstehen, Toilette, Spaziergang, Blue füttern, gegen Mittag Frühstück vorbereiten mit Supplements, Medis und Saftshot, Serie schauen. Dazwischen, wenn Raum ist, etwas für den Blog oder Instagram machen. Und auch Kalorien zählen gibt mir Sicherheit, weil es mir ein Gefühl von Kontrolle in einem sonst schnell chaotischen Inneren gibt.

Wenn in dieser Zeit etwas dazwischenkommt, so wie heute Morgen, bringt mich das komplett aus dem Konzept. Es raubt mir enorm viel Energie. Manchmal so viel, dass danach kaum noch etwas möglich ist.


Gestern, ein anderer Tag, das gleiche Muster

Gestern begann der Tag ruhiger. Morgens eine dreissigminütige Runde mit Blue. Diese Spaziergänge tun mir gut, weil ich schon morgens etwas Anspannung abbauen kann. Gleichzeitig kosten sie mich viel Kraft. Draussen muss ich ständig präsent bleiben, Reize filtern, Dissoziation verhindern. Schon nach diesen dreissig Minuten bräuchte ich eigentlich eine Pause.

Danach Barf vorbereiten, was bedeutet: Aufteilen, Knochen, Supplements, Öl. Alles richtig machen. Nichts vergessen. Bei der Sache bleiben, konzentrieren. Der innere Druck, alles perfekt zu machen, ist immer da und richtet sich fast ausschliesslich gegen mich selbst. Blue soll gut versorgt sein. Sie hat sich ihr Leben mit mir nicht ausgesucht.

Pause bedeutet für mich selten wirkliche Erholung. Oft rutsche ich direkt in den Hyperfokus. Gestern habe ich ein Paket mit neuen Skills ausgepackt, mir Tee gemacht, etwas Kleines gegessen und mich dann direkt an den Laptop gesetzt anstatt Pause zu machen. Von elf bis halb zwei war ich komplett drin. Instagram Posts, ein Reel, alles um mich herum ausgeblendet. Hunger ignoriert. Körper übergangen. Erst als ich alles fertig hatte, konnte ich mir erlauben, etwas zum Essen zu machen.


Trigger, die plötzlich alles überschwemmen

Beim Essen kam sofort wieder der innere Druck. Du solltest heute noch aufräumen. Du kannst nicht schon wieder nur funktionieren und sonst nichts schaffen. Du musst Heute mindestens noch zusätzlich 1 Stunde im Büro Admin machen und endlich anfangen die Papiere zu sortieren! Also ging ich nach dem Essen ins Büro und begann zu sortieren.

Dabei fand ich alte Arbeitsverträge und Zeugnisse. Viele gute Bewertungen. Und dann erinnerte ich mich an dieses eine. Das Zeugnis meines letzten Chefs. In dem nicht meine Arbeit bewertet wurde, sondern meine Krankheit.

Das hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Für einen Moment war mein Kopf leer. Ich wusste nicht mehr, was ich hier eigentlich tun wollte. Alles fühlte sich plötzlich unmachbar an. Ein riesiger Berg. Ich fühlte mich wie ein Versager. Einsam. Nutzlos. Für einen Moment wollte ich alles wieder hinschmeissen.

Brunhilde war sehr laut in diesem Moment. Sie sagte mir all die fiesen Dinge, die sie gut kennt. Es fühlte sich an, als wäre sie plötzlich ganz real da, nicht nur in meinen Gedanken, sondern körperlich spürbar, schwer und drückend, als würde ihr Gewicht meinen ganzen Körper einnehmen. Mein ganzer Körper wurde schwer, wie aus Blei. Jede Bewegung kostete Kraft, alles fühlte sich schmerzhaft und schwer an.


Weiter machen, obwohl nichts mehr da ist

Trotzdem machte ich weiter. Funktionierte weiter. Bis alles sortiert war. Danach war ich emotional ausgelaugt und leer. Ich fragte mich, ob ich jemals lernen werde, mit all dem wirklich klarzukommen.

Doch auch dann gönnte ich mir keine richtige Pause. Ich musste ja wieder raus mit Blue. Also Jacke anziehen, Lachspaste einpacken, Hundetasche umhängen, Blue anziehen und los. Nachmittagsrunde. Wieder Fokus. Wieder präsent sein. Wieder alles im Griff haben.

Der Spaziergang tat mir gut und brachte mich gleichzeitig an mein Limit.

Zurück zuhause machte ich nach einer kurzen Pause noch die Küche. Doch es fühlte sich wie eine Mammutaufgabe an. Das war dann auch fast zu viel. Danach sass ich auf der Couch und versuchte zu entspannen. Es ging nicht. Ich blieb in Instagram hängen, wollte eigentlich diesen Beitrag schreiben, hatte aber keine Energie mehr. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil nichts mehr da war.

Erst als Kim zuhause war, konnte mein System langsam runterfahren. Gemeinsam Serie schauen und kuscheln. Kochen. Meine neuen Skills ausprobieren. Am Abend kam etwas Ruhe. Ein leiser Gedanke blieb trotzdem. Dass ich diesen Text noch schreiben wollte. Ich habe ihn aber dann auf heute verschoben. Trotzdem hat es in mir einen leichten Druck ausgeübt.


Ein Tag ohne Krise ist kein leichter Tag

Das alles waren keine schlechten Tage im klassischen Sinne. Es gab keine Krise. Keinen Zusammenbruch. Keine Eskalation. Und trotzdem waren sie extrem anstrengend.

Für Menschen ohne Diagnose sieht das vielleicht nach normalen Tagen aus, mit normalen Dingen mit denen man klarkommen sollte, doch für mich fühlt sich das völlig anders an.

Alltag mit BPS und kPTBS bedeutet für mich oft genau das. Ständige innere Regulation. Permanente Aufmerksamkeit. Dauerstress durch Kleinigkeiten. Ein Nervensystem, das selten echte Sicherheit erlebt.

Ein Tag ohne Krise ist kein leichter Tag. Er ist oft einfach ein Tag, an dem ich irgendwie durchgehalten hab.


Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Einblick zeigen, wie sich Alltag mit BPS und kPTBS anfühlen kann, auch dann, wenn von aussen alles ruhig wirkt. Vielleicht hilft es Euch, Euch selbst oder andere ein kleines Stück besser zu verstehen.


Ich wünsche Euch einen schönen Tag und passt auch Euch auf ❤️

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