
Wenn alles wieder läuft und ich innerlich zusammenbreche – Wie schlechte Tage aussehen können!
- Stefanie Garmatter
- 8. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Schlechte Tage sehen bei mir so aus
Hallo ihr Lieben ❤️
Seit Montag sind die Feiertage vorbei. Alles läuft wieder normal.
Arbeit, Termine, Ämter, Verantwortung.
Kim ist wieder arbeiten. Ich bin tagsüber wieder allein zu Hause.
Auch meine Beiständin und das Sozialamt sind aus dem Urlaub zurück.
Für viele ist das einfach Alltag.
Für mich ist es der Moment, in dem mein inneres Alarmsystem wieder anspringt.
Nicht langsam. Nicht leise. Sondern sofort und vollständig.
Briefe, Geld und Kontrollverlust
Gestern hat es mich endgültig aus der Bahn geworfen.
Ein Brief vom Sozialamt. Auf Französisch. Mit Inhalten, die ich nicht verstehe. Mit Leistungen, die mir angerechnet werden, obwohl ich dieses Geld nie erhalten habe.
Kurz darauf eine E-Mail meiner Beiständin. 400 Franken „Taschengeld“. Provisorisch. Bis ein Budget erstellt ist. Ein Budget, das sie nicht fertig machen kann, solange ich ihr nicht noch mehr Post bringe.
In mir löst das keine sachliche Reaktion aus. Es löst Panik und Machtlosigkeit aus.
Ich habe ihr so oft Unterlagen gebracht. So oft alles abgegeben, erklärt, organisiert.
Und trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass alles auf mich zurückfällt – obwohl sie eigentlich eine Entlastung für mich sein sollte und mir helfen sollte.
Ich weiß nicht, wo mein Geld ist.
Ich weiß nicht, wie viel verwaltet wurde.
Ich weiß nicht, was bezahlt wurde und was nicht.
Ich bekomme keine echten Antworten. Nur Forderungen.
Wenn Unterstützung sich nicht sicher anfühlt
Das fühlt sich nicht nach Unterstützung an. Es fühlt sich nach Bevormundung an.
Nach Machtlosigkeit. Nach Ausgeliefertsein.
Und genau solche Situationen legen mich komplett lahm.
Gestern – als gar nichts mehr ging
Seit gestern bin ich dauerangespannt.
Mein Körper ist unter Strom. Ich bin panisch, hilflos, innerlich rastlos und gleichzeitig wie eingefroren.
Mein Kopf war überall – nur nicht bei dem, was ich gerade tat. Ich konnte mich auf nichts mehr richtig konzentrieren. Dieses ständige Kribbeln im Bauch, das ich kenne, wenn ich panisch bin.
Dazu Übelkeit, Unruhe und das Gefühl, gleich zu kippen.
Nach dem Brief vom Sozialamt und der E-Mail meiner Beiständin war mein System komplett überfordert.
Ich habe gestern gar nichts hinbekommen.
Meine Routinen sind komplett weggebrochen.
Auch beim Essen.
Ich habe unregelmäßig gegessen, schlecht, unausgewogen.
Der Binge hat voll reingekickt. Nicht aus Hunger – sondern aus Überforderung.
Ich war völlig außer mir. Nicht mehr ich selbst.
Irgendwann bin ich einfach in mein Handy geflüchtet. Stundenlang.
Temu. Instagram.
Scrollen, suchen, verlieren.
Nicht, weil ich etwas gebraucht hätte – sondern weil Wegsein einfacher war als Dableiben.
Erst am Abend habe ich es geschafft, zu skillen. Ich bin ins Büro gegangen, an meinen Basteltisch, habe meine laminierten Skillskarten zugeschnitten und eine Karte für meine Psychologin gebastelt.
Währenddessen habe ich einen True-Crime-Podcast gehört. Das hat mich ein kleines Stück runtergebracht.
Später am Abend, als ich Kim in der Küche geholfen habe, sein Essen für die Arbeit vorzubereiten, bin ich immer wieder kurz dissoziiert.
Er hat mich zuerst dafür angemacht, weil ich schon wieder wegdriftete, obwohl ich ihm doch helfen wollte.
Also habe ich mich noch stärker konzentriert. Habe mit ihm die Zutaten abgewogen und alles in seine Kalorientracking-App eingetragen.
Und erst da – mit klaren Zahlen, klarer Aufgabe – konnte ich wieder bei der Sache bleiben.
Heute
Heute war ich früh wach. Aber wach sein heißt nicht, da sein.
Nach einer kurzen Runde mit Blue lag ich auf der Couch, ich lag im Dunkeln, weil sich das sicher angefühlt hat. Blue bei mir. Eine Kuscheldecke über uns.
Ich habe den True-Crime-Podcast von gestern wieder gehört – nicht aus Interesse, sondern weil fremde Stimmen mein eigenes Gedankenchaos kurz überdecken.
So lag ich da bis neun Uhr.
Dann habe ich kurz Wäsche geholt, Blue ihr Barf gegeben, uns beide angezogen und wir sind raus – eine große Gassi-Runde.
45 Minuten waren wir draußen.
Draußen konnte ich etwas runterkommen. Ich konnte mich auf sie konzentrieren.
Auf Schritte.
Auf Luft.
Auf Bewegung.
Auf alles, was nicht in meinem Kopf war.
Für einen Moment war es leichter und leiser.
Wieder zurück – und alles ist sofort wieder da
Kaum zu Hause, war alles wieder da. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Mein Körper wieder im Alarm. Mein Kopf wieder voll.
Ich habe direkt wieder den Podcast angemacht. Wieder ins Dunkle.
Wieder auf die Couch. Blue ganz nah bei mir.
Normalerweise darf sie nicht so lange auf die Couch. Aber heute brauche ich sie bei mir.
In solchen Momenten kann ich keine Regeln einhalten. Nicht, weil sie mir egal sind – sondern weil ich gerade überfordert bin.
Wenn selbst Geräusche zu viel sind
An solchen Tagen reicht oft schon ein Geräusch, um alles kippen zu lassen.
Schritte im Treppenhaus. Eine Tür, die irgendwo aufgeht. Oder das Klingeln an der Haustür.
Mein Herz fängt sofort an zu rasen. Mein Körper geht in Alarm.
Ich werde hektisch, überfordert, innerlich panisch.
Beim Klingeln an der Tür bin ich wie aufgescheucht.
Mein Kopf rast, mein Körper steht unter Strom. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst tun soll.
Bei Geräuschen im Treppenhaus passiert etwas anderes:
Ich werde ganz still. Ich erstarre innerlich. Als müsste ich unsichtbar werden.
Und wenn Blue dann anfängt zu bellen, werde ich wütend auf sie. Nicht, weil sie etwas falsch macht – sondern weil ich panisch will, dass wir keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen.
Dass niemand merkt, dass wir da sind.
Auch das gehört zu diesen Tagen.
Diese Mischung aus Angst, Überforderung und Reizüberflutung, bei der selbst harmlose Geräusche zu viel werden.
Wenn selbst Schlaf kein Ausweg ist
Um elf habe ich mir etwas zu essen gemacht und während des Essens wieder Podcasts gehört. Ein kleiner Versuch, Routine zurückzuholen.
Doch kurz danach lag ich wieder kraftlos auf der Couch. Unter der Decke. Blue wieder bei mir.
Und ich bin eingeschlafen. Nicht aus Müdigkeit – sondern aus innerem Stress.
Von 11:30 bis 13:30 Uhr habe ich geschlafen, während der Podcast lief.
Danach ist alles verschwommen. Ich glaube, ich war dissoziiert. Etwa eine halbe Stunde lang weiß ich nicht genau, was passiert ist.
Ich war da – aber nicht wirklich anwesend.
Später habe ich mich noch lange in Instagram verloren. Nicht aus Freude. Nicht aus Interesse.
Sondern, weil Wegdriften manchmal einfacher ist als Dasein.

Wenn nichts mehr geht
Irgendwann habe ich angefangen, diesen Text zu schreiben. Und zu weinen.
Das sind die Tage, an denen ich nicht mehr funktioniere.
Nicht, weil ich nicht will. Nicht, weil ich mich nicht genug anstrenge.
Sondern weil mein Nervensystem im Überlebensmodus ist.
Geld, Abhängigkeit, Kontrolle von außen – all das sind massive Trigger.
Mein Körper reagiert, als wäre ich in Gefahr.
Auch wenn es für andere „nur ein Brief“ ist.
Schlechte Tage sehen bei mir so aus.
Sie sind laut im Inneren und still von außen.
Sie sind schwer, zäh und einsam.
Schlussgedanke
Vielleicht ist Nicht-funktionieren an solchen Tagen kein Scheitern, sondern der ehrlichste Ausdruck davon, wie viel gerade zu viel ist.
Ein paar persönliche Worte zum Schluss
Dieser Text ist an einem sehr schweren Tag entstanden. Ich teile ihn nicht, weil ich Mitleid will, sondern weil ich zeigen möchte, wie solche Tage wirklich aussehen können – ehrlich, ungefiltert und ohne zu funktionieren.
Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Beitrag einen ehrlichen Einblick geben, wie sich solche Tage für mich anfühlen –Tage, an denen einfach nichts mehr geht.
Danke, dass Ihr euch die Zeit genommen habt, das zu lesen.
Ich wünsche Euch einen möglichst sanften Tag und hoffe, dass Ihr gut mit euch umgehen könnt – egal, wo Ihr gerade steht.
❤️




❤️🩹
❤️