Wie sich Stress im Körper anfühlt – mein Erlebnis mit Konfrontation
- Stefanie Garmatter
- 15. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Hallo ihr Lieben ❤️
Es gibt Situationen, die wirken für viele Menschen ganz alltäglich. Ein Telefonat mit einer Behörde, ein Gespräch mit der Versicherung, ein Termin auf dem Amt oder ein Brief vom Inkasso. Dinge, die man halt erledigt.
Für mich sind genau solche Situationen purer Stress. Nicht, weil ich mich nicht vorbereite. Nicht, weil ich mich nicht bemühe, sondern weil mein Nervensystem in diesen Momenten auf Alarm schaltet. Und zwar vollständig.
Ich möchte heute darüber schreiben, wie sich Stress in meinem Körper anfühlt. Nicht theoretisch, sondern so, wie ich ihn erlebe. Besonders in Konfrontationssituationen.
Dauerstress schon vor dem eigentlichen Ereignis
Heute hatte ich ein Gespräch, das mich schon seit Tagen belastet hat. Ein Konfrontationsgespräch mit meiner Beiständin. Seit Anfang letzter Woche stand mein Nervensystem unter Dauerstrom. Nicht nur wegen des heutigen Gesprächs mit meiner Beiständin, sondern auch wegen weiterer belastender Themen mit dem Sozialamt.
Ich wusste schon seit Mitte Dezember, dass dieses Gespräch heute kein einfaches werden würde. Ich hatte Punkte anzusprechen, Kritik zu äussern und gleichzeitig war mir klar, dass auch sie Dinge mit mir klären wollte.
Solche Gespräche sind für mich nicht einfach ein Termin. Sie sind ein Zustand. Mein Körper beginnt oft schon Tage vorher zu reagieren, lange bevor überhaupt ein Wort gesprochen wird.
Ich war ständig im Alarmzustand. Schlaf fiel mir schwer, abends lag ich im Bett mit starkem Gedankenkreisen. Das Gespräch fand in meinem Kopf schon statt, immer und immer wieder. Tagsüber kam es immer wieder zu Panikattacken und Dissoziation. Letzte Woche endete sogar ein Tag in einem kompletten Shutdown, nichts ging mehr.
Mein Körper hatte keine Pausen mehr. Selbst in ruhigen Momenten war da diese innere Anspannung, als würde jederzeit etwas passieren. Es war, als würde mein Körper die ganze Zeit auf einen Angriff warten.
Was Stress körperlich mit mir macht
Stress zeigt sich bei mir sehr deutlich im Körper.
Mein Herz beginnt zu rasen, oft ohne erkennbaren Auslöser. Meine Atmung wird flach, fast gepresst. Es fühlt sich an, als hätte ich zu wenig Luft, obwohl ich eigentlich normal atme. Mein Brustkorb ist angespannt, mein Kiefer verkrampft, meine Schultern stehen unter Daueranspannung.
Dazu kommt eine starke innere Unruhe. Ich bin nervös, hibbelig, schnell gereizt, schnell überfordert. Meine Wahrnehmung verengt sich, Geräusche, Gespräche oder kleine Anforderungen werden plötzlich zu viel.
Meine Konzentration lässt stark nach. Ich vergesse Dinge, selbst wenn sie wichtig sind, wie zum Beispiel zu essen und zu trinken. Mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nur eingeschränkt. Mein Körper ist mit Überleben beschäftigt, nicht mit Organisieren oder Erinnern. Feinere Signale wie Hunger, Durst oder Erschöpfung gehen dabei oft komplett unter.
Wenn innere Stimmen alles infrage stellen
Zu all dem körperlichen Stress kommt bei solchen Gesprächen noch etwas anderes dazu. Etwas, das man von aussen nicht sieht.
In Konfrontationssituationen habe ich fast immer das Gefühl, ich bin zu viel. Dass ich kein Recht habe, etwas zu sagen. Dass ich übertreibe, nerve oder eigentlich gar nicht im Recht bin.
Rational weiss ich oft, dass das nicht stimmt. Ich habe mich vorbereitet, ich habe Gründe, ich habe Fakten. Und trotzdem kippt dieses Wissen in dem Moment, in dem es wirklich darauf ankommt.
Dann wird Brunhilde laut.
Sie schreit mich innerlich regelrecht an. Sie macht mich klein, stellt alles infrage und sagt mir, dass ich niemand bin. Dass ich unrecht habe. Dass ich besser still sein sollte. Sie sät Zweifel, wo vorher noch Klarheit war.
So war es auch heute. Bei der Vorbereitung auf das Gespräch war ich mir eigentlich sicher bei dem, was ich sagen wollte. Ich wusste, welche Punkte mir wichtig sind. Doch am heutigen Tag brach in mir Panik aus. Mit ihr kam ein ganzer Haufen Selbstzweifel.
Plötzlich fühlte sich alles falsch an. Meine Gedanken, meine Anliegen, meine Worte. Nicht, weil sie es waren, sondern weil mein inneres System auf Bedrohung geschaltet hatte.
Konfrontation bedeutet für mich nicht nur ein Gespräch im Aussen, sondern oft auch einen inneren Kampf um das Recht, überhaupt da zu sein.
Zwischen Shutdown und Hyperfokus
Wenn die Anspannung weiter steigt, kippt mein System meist in eines von zwei Extremen.
Entweder ich falle in einen Shutdown. Dann liege ich im Bett oder auf der Couch, völlig kraftlos, wie gelähmt. Selbst einfache Dinge fühlen sich unmachbar an.
Oder ich rutsche in einen starken Hyperfokus. Wie in den letzten eineinhalb Wochen, in denen ich viele Blogbeiträge verfasst, Reels erstellt und Inhalte produziert habe. So lange ich beschäftigt war, war der Stress etwas gedämpft. Sobald ich aufgehört habe, kam er mit voller Wucht zurück.
Mein Körper war dauerhaft unter hoher Anspannung, auch wenn mir das in dem Moment kaum bewusst war.
Der heutige Tag
Die letzten zwei Tage vor dem Termin waren die schlimmsten. Wobei Heute, am Tag des Gesprächs, war die Anspannung kaum auszuhalten.
Ich war alleine zu Hause. Mein Herz raste, ich hatte das Gefühl, ich sterbe tausend Tode. Ich konnte nichts tun, nichts anfangen. Ich war wie gelähmt. Mein Körper war vollständig im Alarmmodus.
Ich habe mich bewusst gezwungen, aktiv eine Serie zu schauen, um mein Nervensystem wenigstens ein kleines Stück zu beruhigen. Passive Ablenkung hätte nicht gereicht, ich musste meine Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes fokussieren.
Als ich mit Blue draussen war, begann mein Kreislauf mehrmals zu spinnen. Mir wurde schwindlig, mein Körper fühlte sich instabil an. Ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl, ich kippe gleich um. Rational wusste ich, dass es mein Nervensystem ist. Aber mein Körper fühlte sich an, als wäre echte Gefahr da.
Ich habe tief geatmet, immer wieder mit Blue gesprochen und meinen Fokus bewusst auf sie gelegt. Das hat mir geholfen, im Hier und Jetzt zu bleiben.

Was mir im Gespräch konkret geholfen hat
Was mir heute im Gespräch zusätzlich geholfen hat, waren meine Skills.
Ich hatte sie bewusst dabei und habe sie aktiv genutzt. Ich trug meinen Duftanhänger um den Hals und habe immer wieder daran gerochen. Orangenduft beruhigt mich, er hilft mir, wieder mehr im Körper anzukommen, wenn die Anspannung steigt.
Ausserdem hatte ich meinen Lieblings Igelball in der Hand. Ich konnte ihn während des Gesprächs immer wieder drücken, meine Hände beschäftigen und darüber Spannung abgeben. Das hat mir geholfen, nicht emotional auszurasten und auch nicht in die Dissoziation zu fallen.
Diese kleinen, unscheinbaren Dinge haben einen grossen Unterschied gemacht. Sie haben den Stress nicht verschwinden lassen, aber sie haben ihn regulierbarer gemacht. Ich war anwesender, klarer und konnte im Gespräch bleiben, auch wenn es innerlich sehr anstrengend war.
Skills sind für mich kein Zaubertrick. Aber sie können in genau solchen Momenten den Unterschied machen zwischen völligem Zusammenbruch und gerade noch handlungsfähig bleiben.
Auch dass mein Vater beim Gespräch dabei war, hat mir Sicherheit gegeben. Er konnte für mich dolmetschen, im Notfall übernehmen und mir den Rücken freihalten. Allein das Wissen darum hat einen Unterschied gemacht.
Bis er da war, war die Anspannung jedoch kaum auszuhalten.
Wenn selbst alltägliche Dinge nicht mehr funktionieren
Unter starkem Stress funktioniert mein Alltag nur noch eingeschränkt.
Ein Beispiel dafür ist etwas scheinbar Banales. Ich war vorgestern einkaufen, eigentlich wegen Mülltüten. Ich hatte es mir sogar aufgeschrieben. An der Kasse musste ich warten, hatte Zeit nachzudenken, rutschte kurz in die Disso und danach war alles weg. Komplett vergessen. Ich habe keine Mülltüten gekauft.
Solche Momente fühlen sich nicht einfach wie Vergesslichkeit an. Es ist, als würde mein Kopf kurz leer werden. Mein Körper übernimmt, mein Denken tritt in den Hintergrund.
Warum mein Körper so reagiert
Mein Körper unterscheidet nicht zwischen echter Lebensgefahr und emotionaler Bedrohung.
Konfrontationen, Kritikgespräche und behördliche Kontakte aktivieren alte Schutzmechanismen. Kampf, Flucht oder Erstarrung. Mein Nervensystem geht in den Überlebensmodus.
In diesem Zustand sind Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Dissoziation, Juckreiz, Muskelanspannung, Schwindel, Schwitzen, Frieren oder Gedächtnislücken keine Fehlreaktionen. Sie sind Stressreaktionen.
Mein Körper versucht nicht, mich zu sabotieren. Er versucht, mich zu schützen.
Was mir wichtig ist
Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich zeigen möchte, wie tief Stress im Körper wirken kann. Wie sehr er den Alltag, das Denken und das Fühlen beeinflusst.
Es geht nicht um fehlende Belastbarkeit. Es geht um ein Nervensystem, das zu lange zu viel tragen musste.
Mein Körper reagiert nicht falsch. Er reagiert verständlich.
Ich hoffe, ich konnte Euch einen ehrlichen Einblick geben, wie sich Stress und Konfrontation für mich anfühlen und warum scheinbar alltägliche Situationen für manche von uns extrem belastend sein können. Und vielleicht habt Ihr jetzt auch ein besseres Verständnis dafür, was im Körper passiert, wenn er im Überlebensmodus ist.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag und passt auf Euch auf. ❤️




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