Brunhilde, die Mischung aus Venom und Hulk – Wie sich Borderline für mich anfühlt
- Stefanie Garmatter
- 21. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Hallo ihr Lieben ❤️
Manchmal versuche ich zu erklären, wie sich Borderline in mir anfühlt. Und merke schnell, dass Worte wie Impulsivität oder Emotionsregulation zwar fachlich korrekt sind, aber nicht das beschreiben, was innen wirklich passiert.
Für mich fühlt es sich eher an wie eine Mischung aus Venom und Hulk.
Und das klingt erstmal nach Comic. Aber es ergibt für mich erschreckend viel Sinn.
Genau das möchte ich euch heute genauer erklären. Warum Brunhilde für mich so aussieht.
Venom, die dunkle innere Stimme
In den Filmen übernimmt Venom seinen Wirt. Er ist schwarz, aggressiv, zynisch. Er kommentiert alles. Er flüstert. Er manipuliert.
Er ist nicht komplett getrennt von seinem Wirt, aber auch nicht einfach nur er selbst.
Genau so fühlt sich ein Teil von Borderline für mich an.
Da ist diese dunkle, kalte, bewertende Stimme. Sie analysiert. Sie verurteilt. Sie kennt keine Grautöne.
Du bist zu viel. Du bist nicht liebenswert. Du bist schwach. Du bist peinlich. Du hast es nicht verdient zu existieren.
Diese Stimme wirkt manchmal wie etwas Fremdes. Wie ein schwarzes böses Etwas, das mir böse Gedanken zuschreit. Und gleichzeitig weiss ich, dass sie aus meinem eigenen System kommt.
Venom steht für meine Selbstabwertung.
Für destruktive Impulse.
Für dieses gnadenlose innere Kommentieren.
Aber Venom ist nur eine Seite.
Hulk, die emotionale Explosion
Hulk entsteht nicht einfach so. Er bricht aus, wenn Bruce Banner überfordert ist. Wenn zu viel Wut, zu viel Stress, zu viel Spannung da ist. Und wenn er da ist, gibt es kein sanftes Regulieren mehr. Dann ist da Kraft, Lautstärke, Impulsivität, Zerstörung.
Genau so fühlen sich meine emotionalen Eskalationen an.
Es ist, als würde etwas in mir die Kontrolle übernehmen. Als würde ich von innen überrollt.
Ich weiss in diesen Momenten oft nicht, was gerade passiert. Ich weiss nur, dass es zu viel ist. Zu intensiv. Zu schnell. Und selbst danach weiss ich oft nicht, was gerade passiert ist.
Ich sitze da und frage mich: Wie ist das schon wieder passiert? Warum bin ich so explodiert? Was habe ich jetzt schon wieder getan?
Es fühlt sich an wie eine Szene, die sich wiederholt, ohne dass ich den Anfang richtig greifen kann.
Hulk steht für meine Affektüberflutung. Für Wut, Verzweiflung, Angst. Für dieses Gefühl von innerer Explosion.
Und danach kommt fast immer Scham, Schuld und Verwirrung. Und dieses erschöpfte Nichtverstehen.
So sieht Brunhilde für mich aus
Wenn ich diesem inneren Erleben eine Gestalt gebe, dann sieht Brunhilde nicht aus wie ein Schatten.
Sie ist riesig. Muskelbepackt. Überdimensioniert.
Ihr Körper ist grün wie Hulk, kraftvoll, voller Spannung. Überzogen von dieser schwarzen, glänzenden Venomhaut. Ihr Grinsen ist breit, fast spöttisch. Die Zähne zu gross. Die Präsenz massiv.
Sie wirkt nicht zerbrechlich. Nicht unsicher. Nicht zweifelnd. Sie wirkt überlegen.
Und genau das ist das Beklemmende.
Neben ihr fühle ich mich oft kleiner, leiser, verletzlicher.
Brunhilde nimmt Raum ein. Innerlich. Wenn sie auftaucht, fühlt es sich an, als würde sie über mir stehen und urteilen.
Sie ist die Mischung aus flüsternder Bosheit und körperlicher Wucht. Venoms zynische Stimme. Hulks rohe Kraft.
Manchmal fühlt sie sich an wie Schutz. Wie eine Rüstung gegen Verletzlichkeit. Und manchmal wird genau diese Rüstung zur Bedrohung.
Was eigentlich schützen sollte, wird kontrollierend.
Was stark machen sollte, wird hart.
Was Sicherheit geben sollte, wird gnadenlos.
Brunhilde ist kein Fremdkörper. Aber sie ist auch nicht ich.
Sie ist ein Teil meines Systems, der zu gross geworden ist.

Und wer bin ich dann?
Das Entscheidende ist etwas anderes.
Bruce Banner ist nicht Hulk. Aber Hulk ist ein Teil von ihm.
Eddie Brock ist nicht Venom. Aber Venom lebt in seinem System.
Und genau so ist es bei mir.
Ich bin nicht Brunhilde. Aber Brunhilde ist ein Teil meines inneren Systems.
Borderline fühlt sich für mich nicht an wie eine Krankheit. Es fühlt sich an wie verschiedene Monster in mir, die unterschiedlich laut werden.
Venom flüstert. Hulk brüllt. Und ich stehe oft dazwischen und versuche, beides zu halten. Und das ist unheimlich anstrengend.
Diese Metapher hilft mir, etwas Wichtiges zu unterscheiden:
Ich bin verantwortlich für mein Verhalten.
Aber ich bin nicht identisch mit meinen Impulsen.
Das nimmt etwas von der Schuld. Etwas vom Schwarz-Weiss Denken. Etwas von der totalen Identifikation mit der Störung.
Nicht alles, was in mir laut ist , ist meine Identität.
Manches ist Schutz. Manches ist Überlebensstrategie. Manches ist alt.
Und ich bin mehr als das.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Bild eine etwas andere Erklärung geben, wie sich Borderline für mich anfühlt. Vielleicht hilft es auch jemandem, die eigenen inneren Dynamiken etwas klarer zu sehen oder Menschen mit Borderline besser zu verstehen.
Ich wünsche euch einen schönen Tag und passt auf euch auf. ❤️




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