
Freundschaften mit Borderline – zwischen Nähe, Konflikten und Rückzug
- Stefanie Garmatter
- 10. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Hallo ihr Lieben ❤️
Freundschaften sind für mich nichts Leichtes und nichts Unverbindliches. Sie gehen mir sehr nah. Oft näher, als mir selbst lieb ist.
Mit Borderline fühlen sich Freundschaften nicht einfach nur schön an, sondern intensiv, fordernd und manchmal auch beängstigend. Nähe bedeutet für mich Sicherheit und gleichzeitig Gefahr. Denn wo Nähe ist, ist auch immer die Angst, verletzt oder verlassen zu werden.
Nähe, wenn Verbundenheit überfordert
Wenn mir ein Mensch wichtig ist, dann richtig. Ich baue schnell eine tiefe emotionale Verbindung auf und investiere innerlich sehr viel. Gleichzeitig bin ich extrem feinfühlig für Veränderungen.
Tonlagen, Antwortzeiten oder kleine Gesten haben für mich oft eine grosse Bedeutung.
Rational weiss ich, dass nicht jede verspätete Nachricht etwas zu bedeuten hat. Aber mein Nervensystem reagiert schneller als mein Kopf. Da ist sofort diese Unruhe, dieses Gedankenkreisen und diese Angst, nicht mehr wichtig zu sein oder zu viel zu sein.
Nähe kann sich für mich wunderschön anfühlen und im nächsten Moment überwältigend.
Wenn Kontakt einseitig wirkt
Was es zusätzlich schwierig macht, ist der Kontakt selbst. Wenn sich jemand nur selten meldet, wenig präsent ist oder kaum Initiative zeigt, dann fällt es mir sehr schwer, den Kontakt aufrechtzuerhalten.
Nicht aus Absicht, nicht weil mir die Person egal wäre, sondern weil in mir unbewusst etwas passiert.
Ich interpretiere dieses Verhalten schnell als fehlendes Interesse. Und um mich vor Enttäuschung zu schützen, baut sich innerlich Distanz auf. Oft ganz automatisch.
Dann fühlt es sich an, als würde die Person langsam aus meinem Leben verschwinden. Nicht, weil ich sie vergessen will oder nicht mag, sondern weil mein Inneres sagt, zieh dich lieber zurück, bevor es weh tut.
Schwarz oder weiss, dazwischen fast nichts
Ein grosses Thema in meinen Freundschaften ist das Schwarz Weiss Denken. Menschen können für mich innerhalb kürzester Zeit von sehr positiv zu komplett negativ kippen.
Ich kann eine Freundin oder einen Freund idealisieren, mich dieser Person sehr verbunden fühlen und im nächsten Moment reicht eine Kleinigkeit, ein Satz, eine Stimmung, ein Verhalten. Und innerlich ist alles schwarz. Ablehnung, Distanz, Rückzug.
Oft bekommt mein Gegenüber davon gar nichts mit. Der Konflikt spielt sich fast ausschliesslich in mir ab.
Manchmal dauert dieses Schwarzdenken nur kurz, manchmal Tage oder sogar Wochen. Und es ist dann sehr schwer, diese Person innerlich wieder weiss werden zu lassen.
In solchen Momenten hilft mir Kim sehr. Er kann mir ruhig erklären, dass ich gerade wieder in meinem extremen Denken bin. Dass ich diese Person eigentlich mag. Dass mein Gefühl real ist, aber nicht zwingend die ganze Wahrheit abbildet.

Konflikte fühlen sich wie Gefahr an
Ich selbst gehe Konflikten mit Freunden fast immer aus dem Weg. Nicht, weil mir nichts wichtig ist, sondern weil Konflikte sich für mich sofort bedrohlich anfühlen. Wenn mein Gegenüber einen Konflikt anspricht, löst das in mir oft sofort Rückzug, Distanz und Abschalten aus. In mir entsteht sehr schnell die Angst, jetzt verlassen zu werden.
Und um mich vor diesem Verlassenwerden zu schützen, verlasse ich oft lieber zuerst selbst, bevor ich riskiere, dass die andere Person geht.
Vielleicht erklärt das auch, warum ich nur sehr wenige enge Freundschaften habe. Wenn ich ehrlich bin, würde ich sagen, es sind ein oder zwei Menschen, die mir wirklich nahestehen.
Wenn Zuneigung überfordert
Was es nicht leichter macht, ist, dass ich oft kaum glauben kann, dass mich jemand wirklich mag. Wenn mir jemand sagt, dass ich gut bin oder dass er/sie mich gern hat, löst das in mir kein warmes Gefühl aus, sondern eher etwas Befremdliches und Überforderndes.
Ich weiss dann nicht, wie ich damit umgehen soll. Es passt innerlich nicht zu dem Bild, das ich von mir habe.
Eine meiner Freundinnen weiss das mittlerweile und weiss auch, wie sie mir Zuneigung zeigen kann, ohne mich zu überfordern. Das ist etwas, das ich sehr schätze.
Treffen kosten viel Kraft
Treffen mit Freunden sind für mich oft sehr anstrengend. Ich bin fast immer nervös und angespannt und habe ständig das Gefühl, falsch zu sein.
Ich weiss oft nicht, wie ich mich verhalten soll. Manchmal bin ich überdreht, manchmal sehr ruhig. Innerlich stehe ich fast immer unter Druck, mich beweisen zu müssen, etwas leisten zu müssen, um gemocht zu werden. Nach einem Treffen bin ich oft komplett erschöpft. Und dann beginnt der nächste Stress, die Gedanken danach.
Hast du dich richtig verhalten?
Hast du etwas Dummes gesagt?
Mag die Person dich noch?
Wird sie dich wiedersehen wollen?
Diese Gedankenspirale führt dann oft entweder zu Rückzug, ich melde mich dann wieder gar nicht mehr. Oder zum Gegenteil, ich überschütte die Person mit Zuneigung, aus Angst, sie zu verlieren.
Es ist auch für mein Gegenüber nicht einfach
So ehrlich ich über meine Seite schreibe, so wichtig ist mir auch eines klar zu sagen:
Freundschaften mit mir sind nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn ich wieder in einer Krise stecke oder emotional kaum stabil bin.
Diese intensiven Gefühle, die extremen dunklen Gedanken, die starken Stimmungsschwankungen und die krassen inneren Krisen können sehr belastend sein. Nicht jeder kann das verstehen. Nicht jeder hält das aus. Und nicht jeder ist bereit, damit umzugehen.
Viele schreckt das ab. Manche ziehen sich zurück. Andere denken, ich übertreibe, mache Drama oder suche Aufmerksamkeit.
Verständnis von aussen für psychische Erkrankungen ist leider keine Selbstverständlichkeit. Und genau das erschwert Freundschaften zusätzlich.
Vertrauen fällt mir schwer
Was ebenfalls eine grosse Rolle spielt, ist meine Vergangenheit. Ich wurde schon sehr oft von Menschen, die ich Freunde genannt habe, tief verletzt und hintergangen.
Diese Erfahrungen sitzen tief. Sie machen es mir heute schwer, wirklich zu vertrauen. Schwer, mich zu öffnen. Schwer zu glauben, dass jemand bleibt, auch wenn es schwierig wird.
Dieses Misstrauen ist kein böser Wille. Es ist ein Schutzmechanismus, der entstanden ist, weil es zu oft weh getan hat.
Freundschaften mit Borderline
Freundschaften mit Borderline sind möglich. Sie sind nicht einfach und sie fühlen sich oft intensiver an als bei anderen.
Sie brauchen Verständnis, Kommunikation und vor allem sehr viel Selbstmitgefühl, auf beiden Seiten.
Ich bin nicht unfähig für Freundschaft. Ich erlebe Nähe einfach anders.
Und vielleicht ist das Wichtigste, was ich gerade lerne, mich dafür nicht länger zu verurteilen.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen ehrlichen Einblick geben, wie sich Freundschaften mit Borderline für mich anfühlen. Vielleicht habt ihr euch an der ein oder anderen Stelle wiedererkannt oder fühlt euch ein kleines bisschen weniger allein. Danke, dass ihr hier seid und meine Gedanken lest, ich wünsche Euch einen schönen Tag. ❤️




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