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Dissoziation – wie es sich für mich anfühlt

Hallo Ihr Lieben


Heute möchte ich Euch etwas über Dissoziation erzählen...


Dissoziation gehört zu meinem Alltag. Nicht ständig, aber immer wieder. Und jedes Mal fühlt sie sich ein bisschen gleich und doch anders an.

Am besten kann ich es so beschreiben: Ich bin noch da, aber nicht mehr ganz erreichbar.


Wenn mein System auf Abstand geht

Dissoziation passiert bei mir nicht ohne Grund. Sie kommt, wenn mein Inneres überfordert ist. Wenn Gefühle zu stark werden, Erinnerungen zu nah kommen oder mein Nervensystem keine Kapazität mehr hat.

Dann zieht sich etwas in mir zurück. Nicht bewusst. Nicht freiwillig. Sondern automatisch.

Es ist, als würde mein Körper sagen: „Das ist gerade zu viel. Ich bring dich kurz in Sicherheit.“


So fühlt es sich für mich an

Wenn ich dissoziiere, fühlt sich die Welt verändert an:

  • Alles wirkt gedämpft, wie in einem Film oder wenn ich durch Glas schauen würde

  • Ich sehe meine Umgebung, aber sie fühlt sich nicht real an

  • Geräusche sind da, erreichen mich aber nur verzögert und hören sich dumpf an

  • Mein Körper fühlt sich fremd, schwer oder taub an

  • Gefühle verschwinden plötzlich oder sind kaum noch spürbar

  • Ich funktioniere nach außen, bin innerlich aber weg, es ist wie ein Autopilot

  • Gespräche laufen, aber ich kann ihnen kaum folgen

  • Zeit verliert ihre Bedeutung – alles verschwimmt


Manchmal rede ich weiter, nicke, reagiere und merke erst später, dass ich innerlich gar nicht wirklich dabei war.


Frau, die Trauer und Leid empfindet

Dissoziation ist nicht gleich Dissoziation

Es gibt milde Formen – wie Tagträumen oder Wegdriften und es gibt tiefere Zustände, in denen ich kaum noch Zugang zu mir selbst habe.


Wenn Dissoziation tiefer wird

Manchmal bleibt es bei diesem „Wegdriften“. Aber es gibt auch Momente, in denen ich nicht mehr wirklich ansprechbar bin.

Dann sprechen mich Menschen an und ich höre es entweder gar nicht mehr oder erst sehr verzerrt. Ich weiß, dass jemand da ist, aber ich kann nicht reagieren. Nicht, weil ich nicht will – sondern weil mein System nicht mehr kann. Oder manchmal sitze oder liege ich für unbestimmte Zeit einfach irgendwo und weiss danach nicht mehr, was passiert ist und wieviel Zeit vergangen ist.

In diesen Zuständen fühlt es sich an, als wäre ich eingeschlossen in mir selbst. Die Verbindung nach außen ist wie unterbrochen.

Wenn es ganz schlimm wird, kann es sogar passieren, dass ich einfach „wegkippe“. Zum Beispiel saß ich schon auf der Toilette und bin wie eingeschlafen. Mein Körper war da, aber mein Bewusstsein nicht mehr richtig.

Als Kim mich angesprochen hat, habe ich zwar noch minimal reagiert, bin aber immer wieder weggenickt –wie kurz zurückgeholt und dann sofort wieder verschwunden.

Erst durch kalte Reize und klare Reorientierungsfragen (wo wohne ich, Geburtstage, wie heiße ich) bin ich langsam wieder ins Hier und Jetzt zurückgekommen.


Ein Satz für Außenstehende

Wenn man mich in solchen Momenten anspricht, wirkt es vielleicht so, als würde ich nicht hören oder nicht mitmachen wollen. Dabei kann ich einfach nicht, mein Körper ist überlastet und mein Bewusstsein hat sich vorübergehend verabschiedet. Es hilft, ruhig zu bleiben, sanft nachzufragen und mich nicht unter Druck zu setzen.

Wichtig ist:

Nicht jede Dissoziation sieht spektakulär aus. Oft ist sie leise, unscheinbar und von außen kaum sichtbar.


Frühwarnzeichen erkennen

Mit der Zeit habe ich gelernt, meine Signale ernster zu nehmen. Bei mir kündigt sich Dissoziation oft an durch:

  • innere Leere

  • starke Müdigkeit ohne ersichtlichen Grund

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Dass ich nicht mehr genau mitbekomme, was um mich herum passiert oder was man von mir will

  • Tunnelblick

  • das Gefühl, mich selbst zu verlieren

  • Schwindelgefühl (Watte im Kopf)

  • Umgebung fühlt sich unreal an

Wenn ich diese Zeichen wahrnehme, kann ich manchmal noch gegensteuern. Nicht immer – aber öfter als früher.


Warum das Wissen darüber so wichtig ist

Früher habe ich mich dafür verurteilt. Ich dachte, ich sei faul, unkonzentriert oder „komisch“.

Heute weiß ich: Dissoziation ist ein Zeichen dafür, dass mein System überlastet ist.


Mein Blick heute

Dissoziation ist kein Feind, den ich bekämpfen muss. Sie ist ein Teil meiner Geschichte.

Ein Teil, der mir einmal geholfen hat zu überleben.

Heute darf ich lernen, meinem Körper zu zeigen, dass ich nicht mehr alleine bin, dass ich jetzt sicherer bin als früher.

Und an manchen Tagen bedeutet Selbstfürsorge einfach: stehen bleiben, atmen – und mir selbst erlauben, gerade nicht voll da zu sein und anzuerkennen, dass es gerade nicht mehr geht.


Ich hoffe, ich konnte Euch einen Einblick in die Symptomatik der Dissoziation geben und wünsche Euch einen schönen Tag


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