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Zwei emotionale Netzwerke – wie Gefühle und Reaktionen entstehen

Hallo ihr Lieben ❤️


Oft wirkt es, als wären Emotionen etwas, das einfach passiert. Sie kommen schnell, sind intensiv und manchmal schwer einzuordnen.

Was dabei oft nicht sichtbar ist: Hinter jeder Emotion steckt ein System, das beeinflusst, wie Situationen wahrgenommen, bewertet und erlebt werden. Und genau dieses System ist manchmal komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt. Denn es gibt nicht nur eine Ebene, auf der Emotionen entstehen, sondern mehrere, die gleichzeitig aktiv sein können. Ein zentraler Teil davon sind zwei emotionale Netzwerke, die im Hintergrund zusammenwirken.

Und dieses Zusammenspiel aller Ebenen möchte ich heute genauer erklären.


Das allgemeine Emotions-Modell – ein kurzer Überblick

Das allgemeine Emotions-Modell beschreibt, dass ein Gefühl nie nur „ein Gefühl“ ist. Es setzt sich immer aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • Wahrnehmung – was wird gerade gesehen, gehört oder interpretiert

  • Gedanken – Bewertungen, Erinnerungen, innere Sätze

  • Körperreaktion – Herzschlag, Anspannung, Unruhe

  • Handlungsdrang – der Impuls, etwas zu tun

Diese Teile beeinflussen sich gegenseitig und bilden zusammen ein emotionales Netz.


Wie genau diese einzelnen Bereiche funktionieren und zusammenspielen, habe ich bereits im Beitrag zum spezifischen Emotionsmodell ausführlicher beschrieben.

Hier geht es vor allem darum, wie diese Prozesse in zwei emotionalen Netzwerken gleichzeitig wirken können.


Was dabei wichtig ist: Dieses Netz entsteht nicht isoliert. Es wird durch Auslöser aktiviert und durch Bewertungen verstärkt oder verändert. Gleichzeitig spielt die emotionale Verwundbarkeit eine grosse Rolle.

Wenn wenig Schlaf da ist, Stress hoch ist oder alte Themen aktiv sind, reagiert das System schneller und intensiver.

Ich habe für mich irgendwann gemerkt: Das Gefühl war nie „zu viel“. Mein System war einfach schon vorher angespannt.


Illustration eines emotionalen Modells von links nach rechts, mit Auslöser und Bewertung, einem aktuellen emotionalen Netzwerk, einer Verbindung zur Vergangenheit und daraus entstehenden Reaktionen.


Das erste emotionale Netz – die unmittelbare Reaktion

Das erste emotionale Netz ist die direkte, automatische Reaktion auf einen Auslöser.

Ein Blick, ein Tonfall, eine Situation.

Oft passiert das so schnell, dass es kaum bewusst wahrgenommen wird.

Dieses erste Netz besteht immer aus den gleichen Komponenten:

  • Gefühl, zum Beispiel Angst, Wut oder Scham

  • Wahrnehmung, die bestimmte Informationen hervorhebt

  • Körperreaktion, die auf Handlung vorbereitet

  • Gedanken, die oft im Hintergrund laufen

  • Handlungsdrang, der sofort etwas verändern will

Dieses Netz ist an sich sinnvoll. Es hilft, schnell zu reagieren. Aber es ist nicht immer die ganze Wahrheit.


Brücken – wenn Gedanken das System weiterziehen

Zwischen dem ersten und dem zweiten emotionalen Netz gibt es sogenannte Brücken.

Damit sind vor allem automatische Gedanken und Glaubenssätze gemeint.

Das können Sätze sein wie:

  • „Ich darf nicht wütend sein“

  • „Ich bin schuld“

  • „Ich bin nicht wichtig“

  • „Ich bin falsch“

Diese Gedanken wirken oft alt, vertraut und sehr überzeugend. Sie färben die aktuelle Situation ein und verändern, wie sie erlebt wird.

Ich erlebe das so, dass sich in diesem Moment etwas verschiebt. Die Situation bleibt gleich, aber die Bedeutung wird schwerer, persönlicher, bedrohlicher.


Das zweite emotionale Netz – vergangenes Erleben

Das zweite emotionale Netz basiert auf früheren Erfahrungen. Manchmal wird es auch als „Schema“ bezeichnet. Wenn es aktiviert wird, fühlt sich die aktuelle Situation plötzlich nicht mehr nur wie „jetzt“ an, sondern wie „früher“. Dies ist für einen selbst jedoch meistens nicht bewusst spürbar und passiert eher automatisch.

Auch dieses Netz besteht wieder aus:

  • Gefühl

  • Wahrnehmung

  • Körperreaktion

  • Gedanken

  • Handlungsdrang


Der Unterschied ist:

Dieses Netz ist oft stärker, vertrauter und emotional aufgeladener. Es kann dazu führen, dass Reaktionen entstehen, die eigentlich nicht zur aktuellen Situation passen. Gefühle werden intensiver, Bewertungen allgemeiner und Handlungen weniger hilfreich.


Wenn Vergangenheit und Gegenwart sich vermischen

Ein zentraler Punkt in diesem Modell ist, dass das zweite emotionale Netz häufig nicht zur aktuellen Realität passt. Das Erleben fühlt sich real an, aber es basiert auf alten Mustern.

Das kann dazu führen, dass:

  • Gefühle überproportional stark werden

  • Situationen verzerrt wahrgenommen werden

  • Handlungen entstehen, die langfristig nicht hilfreich sind


Ein Beispiel, welches das etwas deutlicher erklärt: Eine Situation löst zunächst normale Wut aus. Durch alte Glaubenssätze entsteht jedoch Scham. Statt sich zu wehren, folgt Rückzug oder Selbstabwertung.

Von aussen wirkt das oft unverständlich. Von innen fühlt es sich logisch an.


Warum es wichtig ist, zwei emotionale Netzwerke zu verstehen

Dieses Modell zeigt etwas Entscheidendes: Emotionen sind nicht „falsch“. Sie sind das Ergebnis eines Systems, das versucht, Sinn zu machen. Das Problem entsteht oft nicht im ersten emotionalen Netz, sondern durch die Verknüpfung mit alten Erfahrungen im zweiten Netz.

Und genau da liegt auch die Möglichkeit zur Veränderung.

Denn wenn sichtbar wird, wann Vergangenheit in die Gegenwart hineinrutscht, entsteht ein kleiner Moment Abstand. Und manchmal reicht genau dieser Moment, um nicht automatisch zu reagieren.



Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag das Modell der zwei emotionalen Netzwerke etwas verständlicher machen und euch einen Einblick geben, wie komplex, aber auch nachvollziehbar emotionale Prozesse sein können.


Passt auf euch auf und habt einen schönen Tag. ❤️

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